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Wolf
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Der Wolf (Canis lupus) ist das grĂ¶ĂŸte heute noch lebende Raubtier aus der Familie der Hunde (Canidae).cite-ref-1[1] Wölfe leben meist in Rudeln, bei denen es sich um FamilienverbĂ€nde handelt.cite-ref-2[2]cite-ref-3[3] Hauptbeute sind in den meisten Regionen mittelgroße bis große Huftiere. Die Art war seit dem spĂ€ten PleistozĂ€n in mehreren Unterarten in ganz Europa, weiten Teilen Asiens, einschließlich der Arabischen Halbinsel und Japan sowie in Nordamerika verbreitet.

Wölfe wurden in Mitteleuropa ab dem 15. Jahrhundert systematisch verfolgt.cite-ref-4[4] Im 19. Jahrhundert waren sie in nahezu allen Regionen ihres weltweiten Verbreitungsgebiets vor allem durch menschliche Bejagung stark dezimiert und in West- und Mitteleuropa fast sowie in Japan vollstĂ€ndig ausgerottet. Seit den 1980er Jahren steht der Wolf in vielen LĂ€ndern unter Schutz – in europĂ€ischen Staaten durch die Berner Konvention, in der EU seit 1992 zusĂ€tzlich durch das Regelwerk der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie.cite-ref-5[5] In vielen LĂ€ndern, unter anderem im Nahen Osten, besteht fĂŒr den Wolf kein gesetzlicher Schutz.cite-ref-sillero-zubiri-s125-6-0[6]

Seit der Jahrtausendwende ist die Anzahl der Wölfe und Wolfsrudel in Mittel- und Nordeuropa wieder deutlich angestiegen.cite-ref-7[7] FĂŒr den Erfassungszeitraum 2024/25 wurden bei den Wölfen in Deutschland 219 Rudel, 43 Paare und 14 territoriale Einzeltiere registriert, die in 276 Wolfsterritorien leben. Umherziehende einzelne Jungtiere sind in der ZĂ€hlung nicht enthalten. GemĂ€ĂŸ konservativer SchĂ€tzung handelt es sich um 1636 Wölfe im Herbst 2025.cite-ref-frei-8-0[8]cite-ref-ntv-wolf-ausbreitung-9-0[9]

Wölfe zĂ€hlen zu den bekanntesten Raubtieren; sie haben frĂŒhzeitig Eingang in die Mythen und MĂ€rchen vieler Völker gefunden. Sie sind die Stammform aller Haushunde und des sekundĂ€r wilden Dingos: Hund und Wolf sind nicht durch eine Artenschranke getrennt und können daher miteinander fortpflanzungsfĂ€hige Nachkommen zeugen.

Heute wird durch Hybridisierung weltweit eine zunehmende Beimischung von Hundegenen beobachtet. Die geringste Anzahl findet sich in den Populationen des tibetischen Hochlandes und Skandinaviens.cite-ref-10[10]

Contents

‱ Merkmale
‱ Geruchssinn
‱ Gehörsinn
‱ Sehsinn
‱ Reviere
‱ Systematik
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Merkmale

Allgemeine Merkmale

GrundsĂ€tzlich Ă€hnelt der Wolf einem großen Haushund, wobei der Rumpf im Vergleich zu Ă€hnlich gebauten Haushunden lĂ€nger und der Brustkorb höher, aber schmaler ist. Wölfe sind vergleichsweise schlank mit langen Beinen. Der Kopf ist relativ groß mit breiter Stirn, langer Schnauze und kurzen, aufrecht getragenen, innen dicht behaarten Ohren, die nach vorn weisen. Die Augen setzen schrĂ€g an und sind ebenfalls nach vorn orientiert. Der buschige Schwanz hat etwa ein Drittel der Kopf-Rumpf-LĂ€nge.cite-ref-11[11]

KörpergrĂ¶ĂŸen und Gewichte von Wölfen sind aufgrund des ausgedehnten Verbreitungsgebietes sehr unterschiedlich und folgen teilweise der Bergmannschen Regel. Wölfe erreichen Kopf-Rumpf-LĂ€ngen von zumeist 1,0 bis 1,6 Metern und SchwanzlĂ€ngen von zumeist 35 bis 56 Zentimetern. Das auch innerhalb von Unterarten sehr variable Gewicht liegt in der Regel im Bereich von 13 bis 78 Kilogramm; Gewichte ĂŒber 60 Kilogramm sind selten, nordamerikanische Wölfe können allerdings 80 Kilogramm erreichen. MĂ€nnchen (RĂŒden) sind durchschnittlich grĂ¶ĂŸer und schwerer als Weibchen (FĂ€hen). Die Schulterhöhe misst 66 bis 91 Zentimeter; die HinterfußlĂ€nge 23 bis 27 Zentimeter.cite-ref-san-diego-zoo-12-0[12]cite-ref-13[13] Die LĂ€nge der relativ kleinen, dreieckigen Ohren betrĂ€gt neun bis zwölf Zentimeter.cite-ref-wozencraft-2008-14-0[14] Die grĂ¶ĂŸten Wölfe leben im mittleren Norden Russlands sowie in Alaska und Kanada.cite-ref-15[15] Die kleinsten Wölfe leben im Vorderen Orient und auf der Arabischen Halbinsel; das Minimum ihrer Kopf-Rumpf-LĂ€ngen betrĂ€gt nur 82 Zentimeter.cite-ref-san-diego-zoo-12-1[12] MĂ€nnliche polnische Wölfe aus dem BiaƂowieĆŒa-Urwald hatten eine mittlere Kopf-Rumpf-LĂ€nge von 119 Zentimetern und eine Schulterhöhe von 70 bis 90 Zentimetern, weibliche aus demselben Gebiet eine mittlere Kopf-Rumpf-LĂ€nge von 111 Zentimetern (Extremwerte: 97 und 124 Zentimeter) und eine Schulterhöhe von 60 bis 80 Zentimetern. RĂŒden aus dem SĂŒdosten Polens wogen 35 bis 67 Kilogramm, FĂ€hen 27 bis 50 Kilogramm.cite-ref-16[16]

Die FĂ€rbung ist sehr variabel, es gibt weiße, cremefarbene, gelbliche, rötliche, braune, graue und schwarze Wölfe. In den gemĂ€ĂŸigten Zonen Europas und Asiens ĂŒberwiegen graugelbe oder braungraue Wölfe, die nördlichen Populationen zeigen grĂ¶ĂŸere Anteile schwarzer und weißer Tiere. Meist ĂŒberwiegen dunkle Haare auf dem RĂŒcken und dem Schwanz. Bauch, Beine und Schnauze sind meist deutlich heller gefĂ€rbt. Nach genetischen Untersuchungen beruht die schwarze Fellfarbe bei Wölfen auf einer Mutation, die zuerst unter Haushunden auftrat und spĂ€ter in die Wolfspopulation eindrang.cite-ref-17[17]

SchÀdel- und Skelettmerkmale

Der SchĂ€del des Wolfes ist langgezogen, er hat eine GesamtlĂ€nge von etwa 21 bis 25 Zentimetern und ist damit lĂ€nger als der SchĂ€del jeder anderen Art der Hunde.cite-ref-wozencraft-2008-14-1[14] Das Nasenbein ist ĂŒber die gesamte LĂ€nge leicht eingedellt. Das Gebiss des Wolfs besteht wie bei allen Hunden pro OberkieferhĂ€lfte aus drei SchneidezĂ€hnen (Incisivi), einem Eckzahn (Caninus), vier VorbackenzĂ€hnen (Praemolares) und zwei BackenzĂ€hnen (Molares) sowie pro UnterkieferhĂ€lfte drei SchneidezĂ€hnen, einem Eckzahn, vier VorbackenzĂ€hnen, aber drei BackenzĂ€hnen. Insgesamt haben Wölfe somit 42 ZĂ€hne. Der PrĂ€molar P4 im Oberkiefer hat eine LĂ€nge (nicht zu verwechseln mit der Höhe) von mehr als 20 Millimetern, er wird Reißzahn genannt und bildet im Zusammenspiel mit dem (ebenfalls als Reißzahn bezeichneten) Backenzahn M1 des Unterkiefers eine Brechschere. Der Molar M2 im Oberkiefer hat eine KauflĂ€che von mehr als 100 Quadratmillimetern, die von keiner anderen Hundeart erreicht wird.cite-ref-wozencraft-2008-14-2[14] Wie alle Hunde besitzt auch der Wolf einen Penisknochen (Baculum). Dieser ist spitz zulaufend und hat eine durchgehende Kerbe.cite-ref-wozencraft-2008-14-3[14]

Spuren in der Natur

FĂ€hrte

Die Trittsiegel sind acht bis zehn Zentimeter lang und sieben bis neun Zentimeter breit, wobei die der Vorderpfoten etwa einen Zentimeter grĂ¶ĂŸer sind als die Hinterpfoten. Die Vorderpfoten werden mehr belastet als die Hinterpfoten und hinterlassen deshalb tiefere AbdrĂŒcke. Die SchrittlĂ€nge beim SchnĂŒren betrĂ€gt 1,1 bis 1,4 Meter. Die Unterschiede zur FĂ€hrte von Hunden sind weiter unten beschrieben.cite-ref-1-18-0[18]cite-ref-19[19]

Losung

Der Kot des Wolfs enthĂ€lt meist viele Haare und Knochensplitter, manchmal auch ZĂ€hne und Bestandteile der Klauen seiner Beutetiere. Ein Strang ist ca. 20 Zentimeter lang und hat einen Durchmesser von 2,5 bis drei Zentimetern. Da der Wolf seine Losung auch zur Markierung seines Reviers nutzt, setzt er ihn gern an exponierten Stellen ab. Man findet den Kot an den RĂ€ndern von Wegen und Wildwechseln, manchmal auch auf grĂ¶ĂŸeren Steinen oder BaumstĂŒmpfen. Durch Probenentnahme und DNA-Analyse lĂ€sst sich der Kot sicher zuordnen.cite-ref-2-20-0[20]cite-ref-21[21]

Rissmerkmale

Das Beutetier wird meist durch einen Biss in die Kehle getötet. Der erfolgt nur einmal und wird gehalten, bis das Beutetier tot ist. Der Biss hinterlĂ€sst nur wenige Ă€ußerlich erkennbare Verletzungen. Sichtbar sind meist nur die Löcher der EckzĂ€hne mit einem Abstand von 30 bis 40 Millimetern. Erlegte Beute wird oft in die nĂ€chste Deckung geschleppt. Beim Fressen beginnt der Wolf meist mit der Öffnung des Bauchraumes. Die inneren Organe werden vor dem Muskelfleisch bevorzugt, jedoch nicht der Magen und der Darm. Bei vollstĂ€ndiger Verwertung des Beutetiers bleiben am Ende nur die großen Knochen ĂŒbrig.cite-ref-1-18-1[18]cite-ref-2-20-1[20]

Sinnesleistungen

Geruchssinn

Ein wesentlicher Teil der innerartlichen Kommunikation sowie der Jagderfolg des Wolfes hĂ€ngen entscheidend von olfaktorischen Signalen ab. Der Wolf als Makrosmat lebt in einer „Riechwelt“. In seiner Nasenhöhle ist der fĂŒr Geruchsreize sensible Bereich um das 14-fache grĂ¶ĂŸer als beim Menschen und umfasst circa 280 Millionen Geruchsrezeptoren. Weitere Sinneszellen befinden sich in seinem Jacobson-Organ. Wölfe können Beutetiere auch unter relativ ungĂŒnstigen Bedingungen aus einer Entfernung von fast 300 Metern wahrnehmen. Bei sehr gĂŒnstigen WindverhĂ€ltnissen, wenn der Wind vom Beutetier in Richtung Wolf weht, kann er potenzielle Beutetiere ĂŒber Distanzen von mehr als 2,5 Kilometern wittern.

Gehörsinn

Die Empfindlichkeit des Gehörs ist so hoch, dass bei Beobachtungen von Timberwolfrudeln im Algonquin Provincial Park die Wölfe auf von einem Menschen simuliertes Wolfsgeheul aus ĂŒber sechs Kilometern Entfernung antworteten. Es wird angenommen, dass Wölfe wie Haushunde auch in Frequenzbereichen bis zu 26.000 Hz hören, die fĂŒr den Menschen zum Ultraschall zĂ€hlen.

Sehsinn

Das Sehvermögen ist gut entwickelt, der Sehsinn reagiert besonders sensibel auf Bewegungen.cite-ref-22[22]

Unterschiede zum Haushund

Haushunde sind domestizierte Formen des Wolfes und gehören daher ebenso wie der Dingo derselben Art (Canis lupus) an. Die Unterscheidung von Wölfen und Haushunden ist zumeist anhand einiger charakteristischer Merkmale möglich, wobei das Ausmaß der Unterschiede je nach Hunderasse stark variiert. Die Schnauze ist bei Haushunden meist kĂŒrzer als beim Wolf. Wölfe haben hĂ€ufig einen hellen Fleck ĂŒber den Augen, helle Wangen und eine weißliche Halsvorderseite; oft tragen sie auf dem RĂŒcken einen dunklen Sattelfleck. Die Augen sind gelb bis gelbgrĂŒn und stehen schrĂ€g. Die stets aufrechten Ohren sind in der Regel kleiner als die von Haushunden. Bedingt durch die im Vergleich zum Haushund lĂ€ngeren Beine entspricht der Körperumriss im Profil (ohne Kopf, Hals und Schwanz) nĂ€herungsweise einem Quadrat; der Körperumriss von Haushunden entspricht dagegen einem Rechteck, das lĂ€nger ist als hoch. Wölfe lassen ihren Schwanz (Rute) in der Ruhe meist nach unten hĂ€ngen, Haushunde tragen ihn hĂ€ufig nach oben oder eingerollt.cite-ref-23[23]

In einigen FĂ€llen ist allerdings nur mit einer DNA-Analyse zweifelsfrei festzustellen, ob ein Individuum ein Wolf ist, ein Haushund, oder eine Mischform mit Vorfahren von beiden Seiten.

Morphologische und anatomische Unterschiede

Wölfe haben eine VioldrĂŒse an der Schwanzoberseite, die bei vielen Haushunden fehlt oder verkĂŒmmert auftritt, bei anderen aber ein weites DrĂŒsenfeld bildet.cite-ref-hund-2008-24-0[24] Insbesondere am SchĂ€del lassen sich zahlreiche Unterschiede zwischen Wolf und Haushund feststellen. WolfsschĂ€del haben im Vergleich zu HaushundschĂ€deln einen höheren Scheitelkamm, der als Ansatzstelle fĂŒr die Kaumuskulatur dient. Das Profil eines WolfsschĂ€dels ist im Stirnbereich etwas flacher als das eines Haushunds. Die unteren SchneidezĂ€hne stehen beim Wolf zumeist dichter beieinander als beim Haushund. Die LĂ€nge des Reißzahns im Oberkiefer (des PrĂ€molars P4) betrĂ€gt beim Haushund weniger als 20 Millimeter. Die ausladenden Jochbögen des Wolfes lassen eine vom Jochbogen bis zum SchĂ€deldach angenommene Gerade in einem kleineren Winkel ansteigen als beim Haushund, dessen Jochbögen enger anliegen. Zwischen dieser Geraden und der Ebene des SchĂ€deldachs besteht beim Wolf ein Winkel (Augenhöhlenwinkel genannt) von 40 bis 45 Grad, beim Haushund von 50 bis 60 Grad.cite-ref-25[25]cite-ref-26[26]

Weitere Unterschiede

Weibliche Wölfe werden nur einmal im Jahr fruchtbar, sie sind monoöstrisch, Haushunde bis zu zweimal, sie sind diöstrisch. MĂ€nnliche Wölfe produzieren nur zur Paarungszeit im Winter und zeitigen FrĂŒhjahr fortpflanzungsfĂ€hige Spermien. HaushundrĂŒden sind dagegen im Prinzip jederzeit fortpflanzungsfĂ€hig. Da die PfotenabdrĂŒcke mit den fĂŒnfteiligen Ballen Ă€hnlich und anhand der GrĂ¶ĂŸe nicht zweifelsfrei unterscheidbar sind, werden FĂ€hrten oft anhand ihres Verlaufs zugeordnet. Wölfe setzen im Schnee ihre Hinterpfoten in die AbdrĂŒcke der Vorderpfoten – sie schnĂŒren –, im Rudel laufen sie oft hintereinander und setzen ihre Pfoten in die AbdrĂŒcke des Vorderwolfes. Dann entsteht der Eindruck, dass man der Spur eines einzelnen Wolfes folgt, bis sich die FĂ€hrte plötzlich in mehrere IndividualfĂ€hrten aufteilt. Der Verlauf einer WolfsfĂ€hrte ist zudem oftmals ĂŒber hunderte Meter geradlinig und zielorientiert, wĂ€hrend fĂŒr Hunde das Umherlaufen und Abweichen typisch ist.

Verbreitung und Lebensraum

Wölfe bewohnen eine Vielzahl von Habitaten. Ihre hohe AnpassungsfĂ€higkeit lĂ€sst sie in der arktischen Tundra ebenso leben wie in den WĂŒsten Nordamerikas und Zentralasiens. Die meisten Wölfe bewohnen Grasland und WĂ€lder; besiedelt werden auch Feuchtgebiete, Buschland, Kulturland, Felsregionen und Gebirge bis in 2400 m Höhe.cite-ref-iucn-2016-2-27-0[27] Wölfe wurden vor allem als Waldtiere bekannt, weil der Mensch sie zuvor in großen Teilen der Verbreitungsgebiete aus den offenen Landschaften vertrieben hatte.cite-ref-iucn-2016-2-27-1[27]

Der Wolf war vor der Entwicklung der Land- und Weidewirtschaft durch den Menschen das am weitesten verbreitete LandsĂ€ugetier der Erde. Die LebensrĂ€ume der Wölfe erstreckten sich in Nordamerika und Europa jeweils ĂŒber den gesamten Kontinent sowie ĂŒber weite Teile Asiens. Infolge intensiver Verfolgung durch den Menschen wurden die ursprĂŒnglichen Verbreitungsgebiete bis ins 20. Jahrhundert um etwa ein Drittel reduziert und seine Vorkommen auf weniger dicht besiedelte Gebiete beschrĂ€nkt. In den meisten Gebieten Westeuropas, in Mexiko und in weiten Teilen der USA war der Wolf ausgerottet. Die weltweite Verbreitung erreichte ihren Tiefststand in den 1960er Jahren. Zu der Zeit lebten Wölfe als zusammenhĂ€ngende Populationen noch in Kanada, Sibirien, in Nordost- und Osteuropa einschließlich der Karpaten und des Balkan, in der Mongolei und zu einem geringeren Grade im Iran. Die Verbindung des asiatischen Teils der Metapopulation mit dem osteuropĂ€ischen blieb immer erhalten. Bei den Wölfen in Deutschland handelt es sich im Wesentlichen um aus dem baltischen, ostpolnischen und ukrainischen Raum zugewanderte Tiere und deren Nachkommen. Kleinere weitgehend isolierte Populationen ĂŒberlebten in Italien, Spanien und Portugal. Durch natĂŒrliche Ausbreitung unterstĂŒtzt durch den dann eingefĂŒhrten gesetzlichen Schutz des Wolfs begann seitdem eine Wiederbesiedlung ehemaliger LebensrĂ€ume. In Europa erfolgte eine territoriale Ausdehnung des italienischen Wolfs nach Frankreich und in die Schweiz. Über Karelien wanderten Wölfe nach Norwegen und Schweden ein. In manchen Regionen wurde wieder ein GĂŒnstiger Erhaltungszustand der Wolfspopulation erreicht. Die weltweite Population wird auf etwa 200.000–250.000 Individuen geschĂ€tzt.cite-ref-28[28]cite-ref-iucn-2016-2-27-2[27]

Lebensweise

Soziale Organisation

Wölfe zeigen ein ausgeprĂ€gtes Sozial- und Territorialverhalten. Die normale Sozialordnung von Wölfen ist das Rudel; einzelne Wölfe, die man in der Wildnis antrifft, haben zumeist mit dem Beginn ihrer Geschlechtsreife das elterliche Rudel verlassen, um ein eigenes Rudel zu grĂŒnden. Ein Wolfsrudel besteht im Regelfall aus dem Elternpaar und dessen Nachkommen, es handelt sich also um eine Familie. Verschiedene Varianten dieser Rudelstruktur sind möglich, unter anderem können statt eines Elternpaares auch ein MĂ€nnchen und zwei Weibchen den fortpflanzungsaktiven Kern eines Rudels bilden.cite-ref-wolf-social-ecology-29-0[29] Manchmal werden rudelfremde Wölfe geduldet, meist maximal dreijĂ€hrige MĂ€nnchen, die sich einem Rudel vorĂŒbergehend, fĂŒr wenige Tage bis zu ĂŒber einem Jahr, anschließen; möglicherweise grĂŒnden diese Zugewanderten spĂ€ter mit einem jungen Weibchen des Rudels ein eigenes Revier. Jungwölfe verlassen ihre Eltern zumeist im Alter von 10 bis 54 Monaten,cite-ref-wolf-social-ecology-29-1[29] in einem Rudel können also Jungwölfe aus vier Jahren leben. Die meisten Jungwölfe haben ihr Rudel allerdings mit drei Jahren bereits verlassen.cite-ref-wolf-behavior-30-0[30]

Die vorjĂ€hrigen Jungwölfe unterstĂŒtzen das Elternpaar bei der Aufzucht der neuen Welpen. Unter normalen Bedingungen besteht ein Rudel im Herbst also aus dem Elternpaar, dem Nachwuchs aus dem Vorjahr oder den Vorjahren und dem Nachwuchs aus demselben Jahr. Mit Erreichen der Geschlechtsreife wandern die Jungwölfe meist aus dem elterlichen Territorium ab und bilden ein eigenes Revier, wo sie beispielsweise mit einem auf der Wanderung getroffenen und ebenso ausgewanderten Jungwolf als Partner eine eigene Familie grĂŒnden.cite-ref-31[31] Solange Jungwölfe im elterlichen Rudel leben, paaren sie sich normalerweise nicht. Bei Nahrungsknappheit verlassen manchmal bereits fĂŒnf Monate alte Wölfe das Territorium, wenn sie von den Eltern nicht mehr versorgt werden; Jungwölfe sind ab diesem Alter in der Lage, Beute zu machen.cite-ref-wolf-social-ecology-29-2[29] Manche abgewanderten Wölfe bleiben in der NĂ€he des elterlichen Rudels; es wurden aber auch Wanderungen von bis zu 1190 Kilometer Luftlinie (von Niedersachsen bis Katalonien) nachgewiesen.cite-ref-32[32] Oft behalten Wölfe bei Fernwanderungen dieselbe Wanderrichtung bei und umgehen dabei StĂ€dte und Seen. Abgewanderte Wölfe können aber auch in einem Nachbarterritorium die Position eines umgekommenen beziehungsweise getöteten Elternwolfs ĂŒbernehmen oder am Rand des elterlichen oder eines benachbarten Territoriums ein eigenes Territorium abspalten. Manche abgewanderten Jungwölfe kehren, auch mehrmals, vorĂŒbergehend ins elterliche Rudel zurĂŒck.cite-ref-wolf-social-ecology-29-3[29]

Rudel umfassen bis zu 36 Tiere; normalerweise liegt die RudelgrĂ¶ĂŸe bei fĂŒnf bis zwölf Tieren.cite-ref-sillero-zubiri-s128-33-0[33] Wölfe, die sich vorrangig von kleinen Tieren oder AbfĂ€llen ernĂ€hren, bilden hĂ€ufig kleinere Rudel als diejenigen, die vor allem große Huftiere wie Elche und Bisons erbeuten. Im ersten Fall verlassen die Jungwölfe bald ihr Rudel, im letzten Fall bleiben die Jungen aus mehreren WĂŒrfen bei den Eltern.cite-ref-wolf-social-ecology-29-4[29]

Die Elterntiere sind grundsĂ€tzlich dominant gegenĂŒber ihrem Nachwuchs, KĂ€mpfe um eine lineare Rangordnung gibt es nicht, wohl aber Konflikte, die vor allem zwischen Wölfen verschiedener Altersstufen ausgetragen werden. Unter Ă€lteren Jungtieren entstehen diese Konflikte meist innerhalb desselben Geschlechts, in aller Regel setzen sich dabei Ältere gegenĂŒber JĂŒngeren durch. Die Folge ist eine mehr oder weniger nach Geschlecht und Alter abgestufte (wegen der beiden Geschlechter: zweireihige) Hierarchie. Allerdings kommt es auch zu Konflikten zwischen MĂ€nnchen und Weibchen; innerhalb derselben Altersklasse dominieren zumeist die MĂ€nnchen.cite-ref-wolf-behavior-30-1[30]

Soziale Interaktionen werden durch eine FĂŒlle optischer und akustischer Signale vermittelt, wie Mimik, LautĂ€ußerungen und die Haltung des Schwanzes.cite-ref-wolf-communication-34-0[34] Beispielsweise tragen Wölfe ebenso wie Haushunde den Schwanz bei dominantem Ausdrucksverhalten erhoben; ein eingezogener Schwanz dagegen ist eine DemutsgebĂ€rde, die einen Kampf verhindern soll.cite-ref-hund-2008-24-1[24]cite-ref-35[35]cite-ref-36[36] DemutsgebĂ€rden wirken auf andere Wölfe nur dann beschwichtigend, wenn diese demselben Rudel angehören: Bei KĂ€mpfen zwischen rudelfremden Tieren sind sie unwirksam.cite-ref-wolf-communication-34-1[34]

Wölfe in Gefangenschaft

In der Literatur findet sich hĂ€ufig die Darstellung einer streng linearen hierarchischen Rangordnung mit einem dominanten Alpha-Paar, das im Allgemeinen die Nachkommen des Rudels zeugt, einer Gruppe nachgeordneter Tiere und einem schwachen Tier am Ende der Rangordnung in der Rolle des „PrĂŒgelknaben“ oder Omega-Wolfs. Diese Darstellungen sind das Ergebnis der Forschung an Wölfen in Gefangenschaftcite-ref-37[37] und nicht auf natĂŒrliche VerhĂ€ltnisse ĂŒbertragbar.cite-ref-38[38] In Gefangenschaft wurden meist Wölfe unterschiedlicher Herkunft oder Familiengruppen zusammengesperrt und gezĂŒchtet. Hier ist weder eine Abwanderung mit Erreichen der Geschlechtsreife noch die (mit der Abwanderung verbundene) Vermeidung von Verpaarungen verwandter Tiere möglich. In diesen in Gefangenschaft gehaltenen Rudeln sind daher Auseinandersetzungen hĂ€ufig.cite-ref-mech-1999-39-0[39]cite-ref-mech-2008-40-0[40]cite-ref-41[41]

Reviere

Wolfsrudel leben im Normalfall in Revieren, die sowohl gegen andere Rudel als auch gegen einzelne Artgenossen abgegrenzt und falls nötig auch vehement verteidigt werden; die Reviere benachbarter Rudel ĂŒberschneiden sich daher meist nur minimal. Die GrĂ¶ĂŸe der Reviere wird im Wesentlichen durch die GrĂ¶ĂŸe der Beutetierarten und die Zahl der Beutetiere bestimmt. Die durchschnittliche GrĂ¶ĂŸe der Reviere variiert daher von Region zu Region stark und reicht etwa von 75 bis zu 2500 Quadratkilometern,cite-ref-sillero-zubiri-s128-33-1[33] in Alaska wurden ReviergrĂ¶ĂŸen bis zu 6272 Quadratkilometern ermittelt.cite-ref-wolf-social-ecology-29-5[29] In Polen wurden ReviergrĂ¶ĂŸen zwischen 150 und 350 Quadratkilometern festgestellt,cite-ref-42[42] im BiaƂowieĆŒa-Wald waren die Reviere von vier Rudeln im Mittel 238 Quadratkilometer groß.cite-ref-s1993-2004-43-0[43] In höheren Breitenlagen sind Wolfsreviere durchschnittlich grĂ¶ĂŸer, weil die Beutedichte dort meist geringer ist.cite-ref-wolf-social-ecology-29-6[29] Die Reviere werden regelmĂ€ĂŸig von den Rudelmitgliedern durchwandert.

Zur Abgrenzung der Reviere dienen vor allem Harn- und Kotmarkierungen. Bei ihren Wanderungen durch das Revier setzen Wölfe durchschnittlich etwa alle 240 Meter Harnmarken ab.cite-ref-wolf-social-ecology-29-7[29] DafĂŒr werden markante, vor allem vertikale Objekte wie einzelne BĂ€ume, StrĂ€ucher, Steine oder Pfosten ausgesucht. WolfsrĂŒden platzieren Harnmarken meist in der von Haushunden bekannten Körperhaltung mit erhobenem Hinterbein, Wölfinnen meist mit einem nach vorn gebeugten und angehobenen Hinterbein.cite-ref-wolf-communication-34-2[34] Im Bereich der Reviergrenzen wird besonders intensiv markiert. Als weiteres Mittel zur Reviermarkierung dient das gemeinschaftliche Heulen der Rudelmitglieder. Dieses wird oft von benachbarten Rudeln beantwortet. Freilandexperimenten zufolge neigen Rudel, die nicht antworten, eher dazu, sich von einem heulenden Rudel zurĂŒckzuziehen, wĂ€hrend Rudel, die antworten, bereit sind, ihren Standort zu behaupten.cite-ref-wolf-communication-34-3[34] In bewaldeten Regionen können Wölfe das Heulen von Artgenossen offenbar auf Distanzen bis zu elf Kilometer wahrnehmen, in der Tundra bis zu 16 Kilometer.cite-ref-wolf-social-ecology-29-8[29] Dringen Wölfe eines anderen Rudels trotz olfaktorischer (geruchlicher) und akustischer Reviermarkierungen in das Revier ein, werden sie zumeist angegriffen. Diese KĂ€mpfe enden oft tödlich; innerartliche KĂ€mpfe gehören zu den hĂ€ufigsten natĂŒrlichen (nicht durch den Menschen verursachten) Todesursachen bei Wölfen.cite-ref-wolf-communication-34-4[34]

Zur Nahrungssuche können sich Wölfe bis zu 48 Kilometer von ihrem Bau oder ihren Jungen entfernen und innerhalb von 24 Stunden bis zu 72 Kilometer zurĂŒcklegen.cite-ref-wolf-social-ecology-29-9[29] Im BiaƂowieĆŒa-Wald lag die durchschnittliche tĂ€gliche Laufstrecke der Wölfe von vier Rudeln bei 22,1 Kilometern fĂŒr Weibchen und 27,6 Kilometern fĂŒr MĂ€nnchen. Pro Tag wurden dabei etwa neun Prozent des Reviers genutzt, die an aufeinander folgenden Tagen genutzten Revierteile ĂŒberschnitten sich jeweils nur minimal. Dies dient mit hoher Wahrscheinlichkeit einerseits der Notwendigkeit, möglichst kontinuierlich im gesamten Revier prĂ€sent zu sein, um dieses gegen Artgenossen abzugrenzen, zum anderen aber vermutlich auch zur Erhöhung des Jagderfolges, da die Beutetiere auf die lĂ€ngere Anwesenheit der Wölfe mit erhöhter Vorsicht und Ausweichbewegungen reagieren.cite-ref-s1993-2004-43-1[43] Wölfe folgen auf ihren StreifzĂŒgen gern Pfaden, Wegen, Ufern, SchotterbĂ€nken, gefrorenen WasserlĂ€ufen, BergrĂŒcken und anderen GelĂ€ndeformationen, die ihnen eine leichte Orientierung ermöglichen; vermutlich können sie sich so besser auf ihre Umgebung konzentrieren, ohne permanent den unmittelbar vor ihnen liegenden Weg einschĂ€tzen zu mĂŒssen.cite-ref-wolf-social-ecology-29-10[29] In manchen Regionen sind Wölfe ĂŒber einen großen Teil des Jahres gezwungen, den WanderzĂŒgen ihrer Beutetiere zu folgen, etwa den saisonalen Wanderungen von Karibus; sie halten andere Rudel wĂ€hrend dieser nomadischen Lebensweise vermutlich durch Heulen auf Distanz.cite-ref-wolf-communication-34-5[34]

ErnÀhrung und Jagdweise

Der Wolf ist ein Nahrungsgeneralist, der vor allem Tiere von etwa Feldhasen- bis zu Elch- und BisongrĂ¶ĂŸe erbeutet, aber auch FrĂŒchte, Aas und HaushaltsabfĂ€lle frisst. Grundnahrung des Wolfes bilden im grĂ¶ĂŸten Teil seines Verbreitungsgebietes mittelgroße bis große pflanzenfressende SĂ€ugetiere. Im Norden jagen Wölfe ĂŒberwiegend im Rudel vor allem Elche, Rentiere und andere Hirscharten, aber auch Moschusochsen. In eurasischen WĂ€ldern der gemĂ€ĂŸigten Klimazone sind auch Wildschweine und in Gebirgen Wildschafe, GĂ€msen und Steinböcke eine hĂ€ufige Beute. Kleinere SĂ€uger wie Feldhasen, Wildkaninchen, Lemminge und andere WĂŒhlmĂ€use werden ebenfalls erbeutet. In Nordamerika spielen neben großen Huftieren auch Biber eine wesentliche Rolle als Beute. Die riesigen Bisonherden Nordamerikas vor der Ankunft der EuropĂ€er gingen wahrscheinlich mit der weltweit grĂ¶ĂŸten Wolfsdichte einher: In den GraslĂ€ndern der nordamerikanischen Ebenen lebten schĂ€tzungsweise 200.000 Wölfe, die sich vorrangig von Bisons ernĂ€hrten.cite-ref-wolf-carnivore-44-0[44]

Im Umfeld menschlicher Siedlungen schlagen Wölfe auch Hausschafe und junge Hausrinder, aber auch Haushundecite-ref-45[45]cite-ref-46[46]cite-ref-47[47] und Hauskatzen, die selbst Beutegreifer sind. Wisente, die zusammen mit Wölfen im BiaƂowieĆŒa-Nationalpark vorkommen, werden dagegen nur selten zur Beute von Wölfen.cite-ref-48[48] Am Ende einer Nahrungspyramide stehend ist der Wolf ein SpitzenprĂ€dator.cite-ref-49[49] HĂ€ufig fressen Wölfe auch Aas, etwa Robbenkadaver, die an StrĂ€nde gespĂŒlt wurden.cite-ref-wolf-carnivore-44-1[44] Essensreste beziehungsweise HaushaltsabfĂ€lle sind beispielsweise fĂŒr Wölfe in Israel, Indien und China von großer Bedeutung; auch ein in Minnesota beobachtetes Wolfsrudel unternahm regelmĂ€ĂŸige nĂ€chtliche AusflĂŒge zu einer MĂŒllkippe. Vor allem in sĂŒdlichen Regionen Eurasiens fressen Wölfe FrĂŒchte wie Beeren, Kirschen, Äpfel, Birnen und Weintrauben. Wie Haushunde verschlucken Wölfe auch Gras, möglicherweise um den Verdauungstrakt von Haaren oder Parasiten zu reinigen; Gras könnte aber auch als Vitaminquelle dienen.cite-ref-wolf-carnivore-44-2[44]

Untersuchungen eines Zoologenteams der University of Victoria ergaben, dass sich Wölfe in der kanadischen KĂŒstenprovinz British Columbia im Herbst bevorzugt von Lachsen ernĂ€hren, wenn diese zum Laichen in FließgewĂ€sser aufsteigen. Im FrĂŒhjahr und Sommer wurden hier je nach untersuchter Wolfsgruppe in 90 bis 95 Prozent der analysierten Kotbrocken Überreste von Maultierhirschen gefunden und nur ausnahmsweise Überreste von Lachsen. Im Herbst sank der Hirschanteil bei den meisten Wolfsgruppen auf unter 80 Prozent, wĂ€hrend der Anteil der Exkremente, in denen Lachse nachgewiesen wurden, durchschnittlich 40 Prozent (maximal knapp 70 Prozent) ausmachte. Der Lachsfang ist fĂŒr Wölfe einfach und gefahrlos; das fettreiche Fleisch von Lachsen hat zudem einen höheren NĂ€hrwert als das von Maultierhirschen.cite-ref-50[50] Überwiegend fressen die Wölfe jedoch ausschließlich die Köpfe der erbeuteten Lachse. Dieses Verhalten könnte dazu dienen, spezifische NĂ€hrstoffe aus den Köpfen der Lachse aufzunehmen, oder um Parasiten zu vermeiden. So kommt etwa das Bakterium Neorickettsia helminthoeca, das die fĂŒr Wölfe gefĂ€hrliche Nanophyetiose auslösen kann, vor allem in den Muskeln und Nieren der Lachse vor und seltener im Kopf.cite-ref-51[51]

In Mitteleuropa sind Rehe, Hirsche und Wildschweine die Hauptbeutearten im Nahrungsspektrum. So wurden in der Slowakei Wildschweine in 45,5 Prozent aller Wolfsexkremente gefunden, zweitwesentlichste Beute war dort der Rothirsch (23,3 Prozent), danach folgten Rotfuchs (10,4 Prozent), Haushund (7,9 Prozent) und Reh (5,5 Prozent). Im polnischen BiaƂowieĆŒa wurden Hirsche (Rothirsche und Rehe) im Sommer in 93,1 Prozent, im Winter in 97,0 Prozent aller Exkremente nachgewiesen; dort war das Wildschwein im Sommer in 47,7 Prozent aller Exkremente und im Winter in 29,0 Prozent der Exkremente nachweisbar und damit das zweitbedeutendste Beutetier.cite-ref-52[52]

Die Hauptnahrung der Lausitzer Wölfe besteht aus wildlebenden Paarhufern (95 Prozent). Das Reh bildet den bedeutendsten Nahrungsbestandteil (53 Prozent), gefolgt von Rothirsch (21 Prozent) und Wildschwein (18 Prozent). Hasenartige (Feldhase und Wildkaninchen) machen einen Anteil von vier Prozent aus. Der Anteil von Haustieren (vor allem Schafe) und mittelgroßen SĂ€ugern, wie Nutria, Rotfuchs und Marderhund lag bei einer Untersuchung in der Lausitz 2001 bis 2016 bei unter einem Prozent.cite-ref-nahrungs-kologie-55-0[55] FĂŒr die Karpaten wurde ein Anteil von Nutztieren mit 10 Prozent angegeben,cite-ref-56[56] fĂŒr Norditalien 26,3 Prozent.cite-ref-57[57] Der Anteil kann je nach dem vorhandenen Angebot an Nahrungsquellen stark variieren.cite-ref-58[58] KleinsĂ€uger (vor allem WĂŒhlmĂ€use) wurden als Gelegenheitsbeute nur selten festgestellt. Auch Vögel, Fische und FrĂŒchte, meist Äpfel, wurden nachgewiesen. Bei ihrer selektiven PrĂ€dation bevorzugen Wölfe die Jungtiere. Eine Studie aus Skandinavien zeigte, dass 89,9 % der im Sommer (2002–2005) erbeuteten Elche KĂ€lber waren.cite-ref-59[59] So werden Wildschweine vor allem im FrĂŒhling erbeutet, wenn Frischlinge eine leichte Beute darstellen. Im Sommer werden RothirschkĂ€lber bevorzugt. Rehe werden das ganze Jahr ĂŒber gleich hĂ€ufig erbeutet. Eine Nahrungsauswahl nach dem Alter findet bei Rehen nicht statt: Der Anteil der Kitze in der Wolfsnahrung entspricht etwa dem Anteil der Rehkitze am Gesamtbestand der Rehe.cite-ref-nahrungs-kologie-55-1[55] Das seit 1970 eingebĂŒrgerte Mufflon ist in den Wolfsgebieten weitgehend verschwunden.cite-ref-60[60]

Wölfe töten gelegentlich Hunde. Bei Attacken auf Jagdhunde handelt es sich meist um Territorialverhalten gegen einen rudelfremden Artgenossen. Es gibt aber auch Wolfspopulationen, die auf Hunde als Nahrungsquelle angewiesen sind.cite-ref-61[61] In Kroatien töten Wölfe mehr Hunde als Schafe. Wölfe in Russland scheinen Populationen streunender Hunde zu begrenzen, wobei Begegnungen mit streunenden Hunden auch zur Hybridisierung fĂŒhren können. Wolfsangriffe auf Jagdhunde gelten in Skandinavien und Wisconsin als großes Problem.cite-ref-62[62]cite-ref-63[63]cite-ref-64[64]

Die Menge an Biomasse, die Wölfe erbeuten und fressen, ist abhĂ€ngig von verschiedenen Faktoren wie dem Alter, der KörpergrĂ¶ĂŸe und vor allem der GrĂ¶ĂŸe der Rudel. Dabei wurde in verschiedenen Studien festgestellt, dass grĂ¶ĂŸere Rudel zwar mehr Beutetiere töten als kleinere, die Menge an aufgenommenem Fleisch pro Wolf jedoch bei kleineren Rudeln grĂ¶ĂŸer ist. Im Yukon-Territorium in Nordkanada wurde bei kleinen Wolfsrudeln von zwei bis drei Wölfen Wapiti-Biomasse von 12,7 bzw. 17,2 Kilogramm, bei mittelgroßen Rudeln von vier bis sieben Wölfen 7,2 bzw. 7,6 Kilogramm und bei großen Rudeln mit mehr als sieben Wölfen 4,6 Kilogramm vom Beutetier pro Tag und Wolf verbraucht.cite-ref-kaczensky-et-al-2005-65-0[65] Die GrĂŒnde fĂŒr diese Unterschiede liegen zum einen in der interspezifischen Nahrungskonkurrenz mit anderen Raubtieren, besonders Aasfressern wie dem Kolkraben um die Reste der Beute, zum anderen in der intraspezifischen Nahrungskonkurrenz innerhalb des Wolfsrudels. FĂŒr kleinere Rudel sind die Verluste durch andere Nahrungskonkurrenten mit bis zu 75 Prozent der Beutemasse ungleich grĂ¶ĂŸer als fĂŒr grĂ¶ĂŸere Rudel, die kaum Verluste erleiden,cite-ref-kaczensky-et-al-2005-65-1[65] der Verbrauch setzt sich also aus der tatsĂ€chlichen Biomasseaufnahme der Wölfe und dem Verlust durch Aasfresser zusammen. Auf der Basis der Metabolismusrate, die den Energieumsatz pro Zeitspanne angibt, wurde fĂŒr einen frei lebenden, 35 Kilogramm schweren Wolf ein tĂ€glicher Nahrungsbedarf von 2,8 Kilogramm errechnet.cite-ref-g-owaci-ski-66-0[66] Nach anderen Untersuchungen erbeuten freilebende Wölfe tĂ€glich eine Beutemenge, die der Masse von 10 bis 21 Prozent ihres Körpergewichtes entspricht; bei einem mittleren Gewicht von etwa 40 Kilogramm also 4,0–8,4 Kilogramm pro Tag.cite-ref-67[67]

Zumindest im Winter verbringen Wölfe durchschnittlich 28 bis 50 Prozent ihrer Zeit mit der Nahrungssuche.cite-ref-wolf-carnivore-44-3[44] Wölfe finden Beutetiere meist direkt durch deren Geruch beziehungsweise durch die Verfolgung frischer Spuren; im offenen GelĂ€nde spielt auch der Gesichtssinn eine bedeutende Rolle. Rudelmitglieder bewegen sich meist hintereinander in gerader Linie durch ihr Revier, können jedoch in unĂŒbersichtlichem GelĂ€nde ausschwĂ€rmen, um leichter Beute aufzuspĂŒren. Bei nĂ€chtlicher Beutejagd erleichtert die weißliche FĂ€rbung, die viele Wölfe im Schnauzenbereich aufweisen, möglicherweise die Lokalisation von Rudelmitgliedern.cite-ref-wolf-communication-34-6[34] Wölfe versuchen sich den Beutetieren unbemerkt bis auf geringe Distanz zu nĂ€hern. Große Huftiere werden erst dann attackiert, wenn sie die Flucht ergreifen. Gelingt es den Wölfen nicht, ein gestelltes Tier zur Flucht zu bewegen, geben sie den Angriff manchmal bereits nach Minuten, manchmal aber erst nach Stunden auf. Ein fliehendes Tier dagegen wird selbst dann verfolgt, wenn die Wölfe soeben Beute gemacht haben und ein Huftier in der NĂ€he plötzlich die Flucht ergreift. Aus diesem Grund kommt es unter bestimmten Voraussetzungen zum Surpluskilling. Aus Herden großer Huftiere wĂ€hlen Wölfe meist junge, schwache oder sehr alte Tiere aus, indem sie einige Zeit mit der Herde mitlaufen.cite-ref-wolf-carnivore-44-4[44] Vor allem Haustiere, denen Schutzmechanismen gegen Raubtiere fehlen, können „im Überschuss“ erbeutet werden, ohne dass die Wölfe alle getöteten Tiere zu verwerten vermögen; bei frei lebender Beute tritt exzessives Beutemachen selten auf.cite-ref-wolf-carnivore-44-5[44]

Ergreift ein Beutetier die Flucht, nimmt das Wolfsrudel die Verfolgung auf. David Mech schließt daraus, dass das Fluchtverhalten der Beutetiere den Angriff auslöst. Wölfe erreichen schnell Geschwindigkeiten von 56 bis 64 Kilometern pro Stunde, die sie mehrere Minuten halten können. Im Allgemeinen hetzen sie ein Tier ĂŒber mehrere hundert Meter. Normalerweise brechen sie nach einem bis zwei Kilometern die Verfolgung ab, wenn sie das Tier nicht erreichen. Wölfe jagten Elche im Nationalpark „Isle Royal“ meist nicht lĂ€nger als 800 Meter, gleichwohl wurde eine Verfolgungsjagd ĂŒber 4,8 Kilometer beschrieben.cite-ref-68[68] LĂ€ngere Hetzjagden ĂŒber mehrere Kilometer sind seltene Ausnahmen. Manchmal versuchen Wölfe, fĂŒr sie gĂŒnstige GelĂ€ndegegebenheiten zu nutzen, indem ein Teil des Rudels die Beute in Richtung anderer Rudelmitglieder treibt, die sich an einer geeigneten Stelle in Deckung aufhalten. Hinweise auf eine derartige Kooperation bei der Beutejagd, wie sie etwa bei Löwen ĂŒblich ist, sind jedoch selten.cite-ref-wolf-carnivore-44-6[44] Im Winter versuchen Wölfe, Huftiere auf zugefrorene Seen oder FlĂŒsse zu treiben, wo diese mit ihren glatten Hufen leicht ausrutschen.cite-ref-69[69] Auch bei hoher Schneedecke sind Wölfe gegenĂŒber Huftieren oft im Vorteil, weil diese zumeist schwerer sind als die Wölfe und mit ihren Hufen leichter im Schnee einsinken, wĂ€hrend Wölfe mit ihren breiten Pfoten ĂŒber eine verharschte SchneeoberflĂ€che laufen können.cite-ref-wolf-carnivore-44-7[44]

Huftiere bis zur GrĂ¶ĂŸe eines weiblichen Rothirsches versuchen, durch Flucht zu entkommen. Große und wehrhafte Beutetiere wie Elche, Bisons, Moschusochsen oder auch Wildschweine stellen sich den Wölfen oft und verteidigen sich hĂ€ufig erfolgreich. Andererseits sind auch einzelne Wölfe in der Lage, einen Elch oder Moschusochsen zu ĂŒberwĂ€ltigen.cite-ref-wolf-carnivore-44-8[44] Elche flĂŒchten bei Angriffen hĂ€ufig ins Wasser; sie werden dann meist nicht weiter attackiert, weil sie aufgrund ihrer lĂ€ngeren Beine noch dort zu stehen vermögen, wo Wölfe bereits schwimmen mĂŒssen. Im bewaldeten Land kann ein Elch einen Wolf, der sich an seinem Hinterbein festgebissen hat, gegen einen Baumstamm schleudern und dabei erheblich verletzen.cite-ref-wolf-carnivore-44-9[44] Große Tiere, wie Elche, werden durch Bisse in Hinterteil, Flanken, RĂŒcken und Nase aufgehalten und zu Fall gebracht. Mech und Haber beobachteten vielfach, wie Wölfe Elche in die Nase bissen und den Biss selbst dann nicht lockerten, wenn der Elch den Wolf zur Seite schleuderte. Der Tod großer Beutetiere tritt durch großflĂ€chige Blutungen und massiven Stress ein, wĂ€hrend kleinere Beutetiere durch Biss in die Kehle (Drosselbiss) oder in den Nacken getötet werden.cite-ref-70[70]

Die Wölfe öffnen, wenn das Beutetier liegt, meist zuerst die Bauchhöhle und entfernen und fressen zuerst die inneren Organe wie Lunge, Leber, Herz, Darm und Nieren; danach fressen sie das Muskelfleisch, vor allem die große Muskulatur der Beine. Am Riss kommt es hĂ€ufig zu Auseinandersetzungen unter Rudelmitgliedern; in der Rangordnung unten stehende (jĂŒngere) Wölfe mĂŒssen sich meist beim Fressen zunĂ€chst zurĂŒckhalten. WĂ€hrend der ersten Fressphase können große Wölfe bis zu zehn Kilogramm Fleisch fressen; danach lassen sie im Allgemeinen von der Beute ab und kommen ĂŒber die nĂ€chsten Stunden immer mal wieder heran, um weitere Gewebeteile wie Haut und auch Knochenmark zu fressen. Das Opfer wird im Normalfall möglichst vollstĂ€ndig gefressen. Große Huftiere werden ĂŒber mehrere Tage genutzt und bis auf große Knochen, die Wölfe nicht brechen können, das Fell und Teile des Darmtraktes und den Magen verwertet.cite-ref-71[71]cite-ref-stahler-et-al-2006-72-0[72] In Gebieten mit grĂ¶ĂŸeren Wolfsrudeln und zahlreichen Aasfressern wie etwa dem Yellowstone National Park bleiben die Kadaver der Beutetiere meist weniger als 48 Stunden liegen, bis sie vollstĂ€ndig genutzt sind.cite-ref-stahler-et-al-2006-72-1[72] Insbesondere Rabenvögeln gelingt es oft, einen Wolfsriss innerhalb von Minuten aufzuspĂŒren, weil sie sich bevorzugt in der NĂ€he von Wölfen aufhalten und untereinander mit Rufen kommunizieren.cite-ref-wolf-carnivore-44-10[44]

Übrig gebliebene Beuteanteile, auch ganze Tiere, werden hĂ€ufig versteckt. Beispielsweise wird ein gerissenes Karibukalb mit Schnee bedeckt, oder es werden bereits verschlungene FleischstĂŒcke hervorgewĂŒrgt und in einer selbst gescharrten Mulde deponiert, die dann mit der Schnauze zugeschoben wird. Einzelne Wölfe können nach der Erbeutung eines großen Tieres mehrere Depots anlegen. Das Anlegen von Depots ist vor allem fĂŒr einzeln jagende Wölfe und kleine Wolfsgruppen von Bedeutung. Wolfsdepots werden hĂ€ufig von anderen Aasfressern wie FĂŒchsen oder BĂ€ren geplĂŒndert.cite-ref-wolf-carnivore-44-11[44]

Wölfe, die in Gefangenschaft aufgezogen wurden, ohne den Beuteerwerb trainieren zu können, und freigelassen wurden, konnten selbstĂ€ndig Beute machen und ĂŒberlebten im Freiland.cite-ref-wolf-carnivore-44-12[44] Wölfe sind zumeist nur zur Thermoregulation, vor allem also in warmen Gebieten, darauf angewiesen, Wasser zu trinken; dennoch trinken sie, wenn sie die Möglichkeit dazu haben, weil sie so Beuteteile mit geringem Wassergehalt wie Haut und Knochen leichter verdauen können. Im Winter kommen Wölfe ohne Wasser aus, fressen aber gelegentlich Schnee, wenn sie nach einer Beutejagd ĂŒberhitzt sind. SĂ€ugende Wölfinnen mĂŒssen wahrscheinlich regelmĂ€ĂŸig trinken; Wurfhöhlen dĂŒrfen deshalb vermutlich nicht weit von einer Trinkquelle entfernt sein.cite-ref-wolf-carnivore-44-13[44]

Ökologische Funktion

Der Wolf wird von vielen Autoren als SchlĂŒsselspezies innerhalb eines Biotops betrachtet wegen des Einflusses auf die Populationen seiner Beutetiere (Populationsdynamik). Nach Untersuchungen zur PrĂ€dation von Wapitis im Yellowstone-Nationalpark erbeuten die Wölfe neben den bevorzugten Jungtieren auch Ă€ltere weibliche Individuen, von denen manche altersbedingte Krankheiten aufweisen.cite-ref-stahler-et-al-2006-72-2[72] Das Erbeuten altersschwacher Tiere aus einer lokalen Population verringert die intraspezifische Konkurrenz um Nahrungspflanzen zugunsten der jĂŒngeren Tiere. Die von den Wölfen nach dem Fressen liegen gelassenen Kadaverreste bieten zahlreichen Aasfressern eine breitere Nahrungsgrundlage. Im Yellowstone-Nationalpark sind rund ein Dutzend Tierarten Nachnutzer, unter anderem BĂ€ren, Adler und Rabenvögel.cite-ref-73[73]cite-ref-stahler-et-al-2006-72-3[72]cite-ref-74[74] Die Anwesenheit von Wolfsrudeln verringert die PrĂ€dation durch andere Beutegreifer, sowohl bei wildlebenden Huftieren, als auch bei Weidetieren, denn sie beeinflusst die Populationen anderer Raubtiere mitunter negativ. Sie kann damit auf dem unterhalb liegenden Trophieniveau kleinere Arten begĂŒnstigen, so unter anderem durch die Trophische Kaskade vom Wolf zum Kojoten und Rotfuchs und deren Beutetieren in Nordamerika.cite-ref-75[75]cite-ref-76[76] Die Regulierung der Pflanzenfresser als Konsumenten erster Ordnung wirkt sich gĂŒnstig auf die Vegetation aus, unter anderem auf die NaturverjĂŒngung in WaldbestĂ€nden. Hiervon profitieren andere Tierarten.cite-ref-77[77]cite-ref-78[78]

Die Stellung des Wolfs als SchlĂŒsselart wird hĂ€ufig auch kontrovers gesehen. In Bezug auf die Vegetationsentwicklung und ökologische Wechselwirkungen gibt es differenzierte Untersuchungen einiger Autoren, die zeigen, dass sich weitere ökologische Faktoren gĂŒnstig oder beeintrĂ€chtigend auf die BestĂ€nde der Nahrungspflanzen der Beutetiere auswirken.cite-ref-79[79]cite-ref-80[80] In den heutigen Biozönosen fehlen die meisten der frĂŒheren Nahrungskonkurrenten und Fressfeinde des Wolfs wie Höhlenlöwe, SĂ€belzahnkatze, Aenocyon dirus und KurznasenbĂ€r, die in der pleistozĂ€nen Megafauna noch vorhanden waren und die ihrerseits fĂŒr die Regulierung der Populationsdichte der Wölfe sorgten. Valerius Geist beschreibt, dass in Landstrichen Sibiriens und Nordamerikas, in denen gar keine Menschen leben, die mit den Raubtieren in Konflikt kommen, infolge der PrĂ€dation durch unbegrenzt anwachsende WolfsbestĂ€nde artenarme biologische WĂŒsten entstanden seien. Nach seiner Meinung kann der menschliche JĂ€ger als SpitzenprĂ€dator die ökologische Nische des Wolfs ebenso besetzen. Er kann demnach auch die damalige Funktion der heute ausgestorbenen GroßprĂ€datoren erfĂŒllen, um eine Dezimierung der Beutetiere der Wölfe als Nahrungsressourcen zu verhindern und so den Artenreichtum langfristig erhalten.cite-ref-81[81]

Außerdem ist zu differenzieren zwischen der ökologischen Wirkung von Wölfen in naturnahen Landschaften und in den stark vom Menschen modifizierten Ökosystemen der Kulturlandschaften. In einer Habitatmodellierung stellen die Autoren fest, „dass Wölfe auch reine Agrarlandschaften besiedeln können.“ Hier ergeben sich andere trophische Effekte und ein grĂ¶ĂŸeres Potenzial fĂŒr verhaltensvermittelte trophische Kaskaden, zum Beispiel durch Ausweichen der beunruhigten wildlebenden Huftiere, die teilweise in SiedlungsnĂ€he Zuflucht suchen.cite-ref-82[82]cite-ref-83[83] (siehe auch VerhaltensĂ€nderungen). L. David Mech argumentierte konkret, dass die hĂ€ufig aus Nationalparks abgeleiteten trophischen Kaskadeneffekte des Wolfs nur eingeschrĂ€nkt auf den Großteil seines Verbreitungsgebiets ĂŒbertragbar seien, da außerhalb von Schutzgebieten der anthropogene Einfluss auf Wolf, Beute, Vegetation und Nahrungsnetze ĂŒberwiege.cite-ref-84[84]

Fortpflanzung

Wölfe werden in der Wildnis zumeist mit zwei Jahren geschlechtsreif, gefangen gehaltene Wölfe manchmal bereits mit neun bis zehn Monaten,cite-ref-wolf-population-85-0[85] Haushunde mit sieben bis elf Monaten. Manche freilebenden Wölfe sind allerdings erst mit vier oder fĂŒnf Jahren fortpflanzungsfĂ€hig. In Mitteleuropa fĂ€llt die Paarungszeit in den SpĂ€twinter und das zeitige FrĂŒhjahr von Ende Januar bis Anfang MĂ€rz. Die Wölfinnen sind dann fĂŒnf bis sieben Tage empfĂ€ngnisbereit.cite-ref-wolf-behavior-30-2[30]cite-ref-86[86] Wie bei vielen Caniden wird die Paarung durch das sogenannte „HĂ€ngen“ abgeschlossen, wobei der angeschwollene Penis noch bis zu eine halbe Stunde lang in der Vagina festgehalten wird. Inzucht ist bei freilebenden Wölfen seltencite-ref-wolf-social-ecology-29-11[29] und kommt vor allem dort vor, wo alle Wölfe nahe miteinander verwandt sind, beispielsweise auf der 535 Quadratkilometer großen Isle Royale im Oberen See.cite-ref-wolf-behavior-30-3[30]

Die Tragzeit betrĂ€gt neun Wochen. Vor der Geburt der Jungen wird zumeist eine Erdhöhle gegraben oder von anderen SĂ€ugern wie FĂŒchsen ĂŒbernommen und vergrĂ¶ĂŸert. Sowohl das Elternpaar als auch die vorjĂ€hrigen Jungwölfe beteiligen sich an den Grabarbeiten. Die Höhlen haben einen oder mehrere EingĂ€nge. Als Wurfbaue dienen auch hohle BaumstĂ€mme, Felshöhlen und in den Boden gescharrte Gruben. Im Allgemeinen befinden sich die Baue in WassernĂ€he und in deutlichem Abstand von den Reviergrenzen.cite-ref-wolf-behavior-30-4[30]cite-ref-sillero-zubiri-s128-33-2[33] Etwa einen Monat vor der Geburt verlassen manche tragenden Weibchen die Höhlenumgebung meist nicht mehr und werden dann von Rudelmitgliedern versorgt.cite-ref-wolf-behavior-30-5[30]cite-ref-87[87]

Die Jungen werden im Bau geboren. Ein Wurf besteht aus ein bis elf, meist vier bis sechs Welpen. Die neugeborenen, noch blinden und tauben Welpen wiegen 300 bis 500 Gramm und haben ein feines, dunkles Fell. Die Augen öffnen sich nach 11 bis 15 Tagen, die Welpen können nun auch laufen, knurren sowie kauen. Auch die ersten ZĂ€hne sind erkennbar. Etwa um den 20. Tag beginnen die Jungen, Laute wahrzunehmen, verlassen erstmals die Höhle und spielen mit Geschwistern und Ă€lteren Familienmitgliedern. Ab etwa diesem Alter können die Welpen auch feste Nahrung zu sich nehmen, sie werden jedoch noch bis zum Alter von sechs bis neun Wochen gesĂ€ugt. Die mit Nahrung zurĂŒckkehrenden Rudelmitglieder werden von den Welpen am Maul beschnuppert und deren Schnauze wird mit der eigenen Schnauze umklammert, woraufhin sie Nahrung auswĂŒrgen. In ihren ersten acht Lebenswochen trĂ€gt die Wölfin die Welpen manchmal in einen anderen Bau. Von der 16. bis 20. Lebenswoche findet der Zahnwechsel statt. Nach etwa einem Jahr ist das Skelett in der GrĂ¶ĂŸe ausgewachsen.cite-ref-wolf-behavior-30-6[30]cite-ref-88[88]

Lebenserwartung und Sterblichkeit

Frei lebende Wölfe können Höchstlebensalter von 10 bis 13 Jahren erreichen, dies ergaben langjĂ€hrige Untersuchungen in Minnesota.cite-ref-89[89] In Gefangenschaft können Wölfe 16 bis 17 Jahre alt werden.cite-ref-90[90]cite-ref-91[91] Die MortalitĂ€t ist hoch, vor allem in den ersten Lebensmonaten und in den ersten zwei Lebensjahren. Die zahlenmĂ€ĂŸig bedeutendsten natĂŒrlichen Sterblichkeitsfaktoren sind Verletzungen durch KĂ€mpfe mit rudelfremden Wölfen und Verhungern.cite-ref-sillero-zubiri-s128-33-3[33] Daneben spielen Krankheiten wie Tollwut, Hundestaupe, Parvovirose, RĂ€ude und Borreliose eine Rolle. In LĂ€ndern mit einem dichten Verkehrsnetz sind Kollisionen mit Fahrzeugen eine hĂ€ufige Todesursache. In LĂ€ndern ohne gesetzlichen strengen Schutz, werden Wölfe legal bejagt, ohne dass die Populationen dadurch gefĂ€hrdet werden. In FĂ€llen von Wilderei werden Wölfe vergiftet, mit Tellereisen oder Schlingen gefangen und geschossen.cite-ref-92[92]

Wolfswelpen werden gelegentlich gezielt von Luchsen getötet. Ein Ă€hnliches Verhalten wurde fĂŒr grĂ¶ĂŸere Paarhufer dokumentiert.cite-ref-93[93]

Systematik

Externe Systematik

AnlĂ€sslich ihrer Vorstellung der Genomsequenz des Haushundes veröffentlichten Lindblad-Toh et al. 2005 auf der Basis molekularbiologischer Daten eine phylogenetische Analyse der Hunde (Canidae). Sie stellten dem Wolf (einschließlich Haushund) den Kojoten als Schwesterart gegenĂŒber. Diesem aus Wolf und Kojote bestehenden Taxon ordneten sie den Goldschakal (Canis aureus) als Schwesterart zu. In dieser Forschungsarbeit wurde die Monophylie der Wolfs- und Schakalartigen (Gattung Canis) angezweifelt, da der Streifenschakal (Canis adustus) und der Schabrackenschakal (Canis mesomelas) als Schwesterarten gelten und allen anderen Vertretern der Gattung sowie zusĂ€tzlich dem Rothund (Cuon alpinus) und dem Afrikanischen Wildhund (Lycaon pictus) gegenĂŒbergestellt werden.cite-ref-lindblad-toh-et-al-2005-95-0[95] Rothund und Afrikanischer Wildhund mĂŒssten in die Gattung Canis aufgenommen werden, damit sie als monophyletische Gattung Bestand hat, also eine geschlossene Abstammungsgemeinschaft reprĂ€sentiert. Der Rotwolf (Canis rufus) wurde nicht in diese Arbeit einbezogen.

Weitere DNA-Analysen ergaben 2011, dass sich die ehemals als Ă€gyptische Unterart des Goldschakals (Canis aureus lupaster bzw. jetzt Canis anthus lupaster) eingestuften Tiere genetisch stark von anderen Goldschakalen unterscheiden. Diese Ă€gyptischen Caniden, deren Ähnlichkeit zu Indischen Wölfen (Canis lupus pallipes) bereits im 19. Jahrhundert von Zoologen bemerkt wurde, fallen genetisch in die engere Verwandtschaft der Wölfe. Sie sind auch deutlich grĂ¶ĂŸer und langbeiniger als eurasische Goldschakale. Neben den Ă€gyptischen Tieren wurden Vertreter dieser Form auch im Hochland von Äthiopien 2500 Kilometer sĂŒdöstlich nachgewiesen.cite-ref-96[96] Im Jahr 2015 wurden schließlich alle zuvor als afrikanische Goldschakale eingeordneten Caniden als Afrikanischer Goldwolf (Canis anthus) und damit als neue Art beschrieben und in die direkte Verwandtschaft des Wolfes und des Kojoten gestellt. Demzufolge gehören nur die eurasischen Vertreter der ehemals als Goldschakale eingeordneten Tiere der Spezies Goldschakal an.cite-ref-koepfli-et-al-2015-94-1[94]

Interne Systematik

Die Gliederung der Spezies Wolf in Unterarten ist umstritten; auch bei Einbeziehung genetischer Merkmale (mit Hilfe der Mitochondrial DNA Method) sind die Ergebnisse nicht eindeutig. Dies hĂ€ngt unter anderem damit zusammen, dass Wölfe regelmĂ€ĂŸig weite Wanderungen unternehmen, die eine Durchmischung der Genpools zur Folge haben.cite-ref-97[97] Dennoch hat man sich weitgehend auf eine Einteilung in elf lebende und zwei ausgestorbene Unterarten geeinigt. Der Haushund (Canis lupus familiaris) sowie der australische Dingo (Canis lupus dingo) und der diesen zugeschlagene Neuguinea-Dingo sind durch Domestizierung entstandene Unterarten des Wolfs.

Eine frĂŒhere Einteilung der Unterartencite-ref-nowak-98-0[98] wird hier nicht mehr berĂŒcksichtigt; folgende freilebende Unterarten werden nach aktuellem Stand anerkannt:cite-ref-sillero-zubiri-99-0[99]

| Unterart | Taxon | Verbreitungsgebiet | Beschreibung | Status | Bildbeispiel |
|---|---|---|---|---|---|
| Great Plains Wolf | C. l. nubilus | sĂŒdliche Rocky Mountains, Mittlerer Westen, Ost- und Nordostkanada, sĂŒdwestlichstes Kanada und SĂŒdost-Alaska | mittelgroß, meist grau, schwarz, gelbbraun oder rötlich | Dieser Wolf, der auch „Buffalo Wolf“ genannt wird, war Mitte 1960 Jahre fast ĂŒberall ausgerottet. Seit 1974 ist er geschĂŒtzt, so dass sich der Bestand wieder stabilisiert hat. [ 100 ] | |
| Dingo | C. l. dingo | Australien | entwickelt aus verwilderten Haushunden | | |
| Eurasischer Wolf | C. l. lupus | Europa, Russland, China, Mongolei, Himalaya | durchschnittlich groß, gewöhnlich kurzes, graubraunes Fell; die am weitesten verbreitete Unterart Europas und Asiens | geschĂ€tzte Zahl 100.000; in einigen Gebieten legal bejagt, in anderen geschĂŒtzt, stabil | |
| Indischer Wolf | C. l. pallipes | Iran, Afghanistan, Pakistan, Indien | sehr kleine Unterart, typischerweise gelbbraun, sandfarben oder rötlich mit sehr kurzem, dichten Fell | als SchĂ€dling verfolgt, stark gefĂ€hrdet, rĂŒcklĂ€ufig. Stellt möglicherweise eine eigenstĂ€ndige Art dar. [ 101 ] | |
| Kaspischer Wolf | C. l. cubanensis | zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer | relativ klein | als SchĂ€dling verfolgt, stark gefĂ€hrdet, rĂŒcklĂ€ufig | |
| Mackenzie-Wolf | C. l. occidentalis | Alaska, nördliche Rocky Mountains, West- und Zentralkanada; diese Unterart wurde 1995 im Yellowstone-Nationalpark und in Idaho wiedereingefĂŒhrt | sehr groß, meist schwarz oder ein gemischtes Grau oder Braun, allerdings ist das gesamte Farbspektrum vertreten | legal in Alaska, Idaho, Wyoming und Montana sowie Teilen Kanadas bejagt, sonst geschĂŒtzt, stabil | |
| Mexikanischer Wolf | C. l. baileyi | Zentral-Mexiko, West-Texas, sĂŒdliches Neu-Mexiko und Arizona | kleinere Unterart, meist gelbbraun oder rostfarben; seit 1998 in Arizona wieder eingefĂŒhrt | die Zahl der wildlebenden Tiere betrĂ€gt 35–50; vom Aussterben bedroht und geschĂŒtzt | |
| Polarwolf | C. l. arctos | kanadische Arktis, Grönland | mittelgroß, weiß oder cremeweiß mit langem Fell | legal bejagt, stabil | |
| Russischer Wolf | C. l. communis | Zentral-Russland | sehr groß | legal bejagt; stabil oder rĂŒcklĂ€ufig | |
| Timberwolf | C. l. lycaon | SĂŒdostkanada, östliche USA | grĂ¶ĂŸere Unterart, sehr variable Fellfarbe von weiß bis schwarz, meist jedoch braun | in Teilen Kanadas legal bejagt, gefĂ€hrdet | |
| Tundrawolf | C. l. albus | nördliches Russland, Sibirien | relativ groß, typischerweise cremeweiß oder grau | legal bejagt, stabil | |
| Ausgestorbene Unterart | Taxon | ehemaliges Verbreitungsgebiet | Beschreibung | Status | Bildbeispiel |
| Hokkaidƍ-Wolf | C. l. hattai | Insel Hokkaido | eine kleinere Unterart | die letzten Exemplare dieser Unterart starben 1889 aufgrund einer Vergiftungskampagne durch japanische Bauern. | |
| Honshƫ-Wolf | C. l. hodophilax | japanische Inseln Honshu, Shikoku und Kyushu | kleinste bekannte Unterart des Wolfes | der letzte Wolf starb 1905 in der PrÀfektur Nara | |
| Sizilianischer Wolf | C. l. cristaldii | Sizilien | kleiner und heller gefÀrbt | bejagt und zwischen 1928 und 1970 ausgerottet [ 102 ] | |

Zwei weitere Unterarten, die in Japan heimisch waren, sind ausgestorben: der Hokkaidƍ-Wolf (C. l. hattai) von der Insel Hokkaido, eine kleinere Unterart, die 1889 aufgrund von Nachstellungen mit Gift ausgerottet wurde, sowie der HonshĆ«-Wolf (C. l. hodophilax) von den japanischen Inseln Honshu, Shikoku und Kyushu. Dabei handelte es sich um die kleinste bekannte Unterart; sie ist 1905 durch Tollwut und menschliche Nachstellung ausgestorben. Eine weitere ausgestorbene Unterart wurde im Jahr 2018 von Sizilien beschrieben: Canis lupus cristaldii, die wahrscheinlich in den 1940er, möglicherweise aber auch erst in den 1970er Jahren verschwand. Die Form ist kleiner und heller gefĂ€rbt als die nahen Verwandten der Italienischen Halbinsel.cite-ref-103[103]

Neben diesen Unterarten wurden in der Vergangenheit zahlreiche weitere Unterarten beschrieben und teilweise anerkannt. Dies betrifft in Asien etwa den Himalaya-Wolf (C. l. himalayensis) des Tibetischen Hochlands,cite-ref-jozser2007-101-1[101] den Tibetischen Wolf (ehemals C. l. chanco) aus dem Gebiet zwischen Transkaspien und dem Fernen Ostencite-ref-104[104] sowie den Arabischen Wolf (ehemals C. l. arabs) in Saudi-Arabien, Jemen und Oman. Ersterer könnte laut genetischen Untersuchungen aus dem Jahr 2017 eine eigenstĂ€ndige taxonomische Einheit bilden, wobei ein Unterart- oder ein Artstatus in Diskussion ist.cite-ref-105[105] In Europa wurden der Iberische Wolf (ehemals C. l. signatus) in Spanien und Nordportugal und der Italienische Wolf (ehemals C. l. italicus) auf der Italienischen Halbinsel als eigene Unterarten betrachtet. Beim Italienischen Wolf sprechen laut genetischen Untersuchungen aus dem Jahr 2017 zwei nur in der dortigen Population vorkommende Haplotypen dafĂŒr, dass es sich möglicherweise doch um eine abgetrennte Unterart handelt.cite-ref-106[106] Dagegen wird die EigenstĂ€ndigkeit des Kaspischen Wolfs in Frage gestellt, da er nach anderen genetischen Studien mehrere Haplotypen mit den Wölfen Westasiens und Osteuropas teilt und so einem bestĂ€ndigen Genfluss ausgesetzt ist.cite-ref-107[107]

Stammesgeschichte

Ursprung und Entwicklung

Die Gattung Canis ist wenigstens seit dem Oberen MiozĂ€n belegt, die Ă€ltesten Funde bisher kamen im sĂŒdlichen Nordamerika zu Tage. Ältere aus Europa berichtete Fossilreste, etwa aus Spanien, mit einem Alter von 8 bis 7 Millionen Jahren werden gelegentlich zu Canis gestellt, gehören aber höchstwahrscheinlich einer anderen Gattung an. Von Nordamerika aus erreichte Canis Eurasien, wo die Gattung seit dem PliozĂ€n vor rund 3,4 Millionen Jahren nachgewiesen ist. Der Ursprung des heutigen Wolfes ist nicht eindeutig geklĂ€rt. Zahlreiche Wissenschaftler bevorzugen eine Herleitung von Canis mosbachensis. Der „Mosbacher Wolf“, benannt nach den fossilreichen Mosbacher Sanden, reprĂ€sentiert eine mittelgroße Form der Gattung Canis und trat in einem Zeitraum von vor 1,5 Millionen bis etwa 400.000 Jahren auf, was dem Unter- und MittelpleistozĂ€n entspricht.cite-ref-108[108]cite-ref-109[109] In die unmittelbare nĂ€here Verwandtschaft gehört wahrscheinlich auch Canis borjgali, eine gleichfalls mittelgroße Form aus der bedeutenden unterpleistozĂ€nen Fundstelle Dmanissi in Georgien, die zahlreiche Ähnlichkeiten zu Canis mosbachensis aufweist.cite-ref-110[110]

Der frĂŒheste Nachweis des heutigen Wolfes datiert in das ausgehende UnterpleistozĂ€n. Unter anderem kam ein Zahn am Old Crow River im kanadischen Territorium Yukon zu Tage, der Cripple Creek Sump bei Fairbanks im US-Bundesstaat Alaska hingegen erbrachte zahlreiches Gebissmaterial und Teile des Körperskeletts. Absolutchronologisch sind beide Fundstellen rund eine Million Jahre alt.cite-ref-tedford-et-al-2009-111-0[111] Es wird aufgrund dieser frĂŒhen Funde im Hohen Norden Nordamerikas angenommen, dass sich der Wolf im Bereich der Beringia herausbildete. Von dort aus erreichte er dann das westliche Eurasien, wo er spĂ€testens vor rund 400.000 Jahren eintraf. Darauf verweisen Funde aus der Höhle Lunel-Viel in Frankreich. Nahezu zeitgleich ist der Wolf auch auf der Apenninhalbinsel nachgewiesen, so in Ponte Galeria in Rom und La Polledrara di Cecanibbio.cite-ref-112[112] Diese frĂŒhen Vertreter waren im Vergleich zum heutigen Wolf eher kleine Tiere, in der Regel werden sie der Unterart C. l. lunellensis zugewiesen. In der Folgezeit tritt der Wolf europaweit regelmĂ€ĂŸig an palĂ€ontologischen und archĂ€ologischen Fundstellen auf, beispielhaft genannt seien hier als mitteleuropĂ€ische LokalitĂ€ten Bilzingsleben in ThĂŒringen, Schöningen in Niedersachsen oder das Geiseltal in Sachsen-Anhalt. In der Regel handelt es sich um Einzelfunde. Als ökologisch anpassungsfĂ€hige Art war der Wolf aber sowohl in den Warmzeit- als auch in den Kaltzeitfaunen prĂ€sent.cite-ref-113[113] Eine merkliche GrĂ¶ĂŸenzunahme des Wolfes lĂ€sst sich erst zum Ende des MittelpleistozĂ€ns feststellen. Dies gipfelt in der letzten Kaltzeit in der großen Unterart C. l. maximus.cite-ref-114[114]cite-ref-115[115] Aus dieser Phase sind auch einige selten ĂŒberlieferte Spurenfossilien erhalten, so aus den Niederterrassen-Ablagerungen der Emscher bei Bottrop. Eine FĂ€hrte eines Wolfes bestehend aus 14 einzelnen Trittsiegeln von jeweils rund 9 bis 10 Zentimetern LĂ€nge und 6 bis 8 Zentimetern Breite lĂ€sst auf ein Tier schließen, das mit einer Geschwindigkeit von rund 5,8 Kilometern pro Stunde die Landschaft querte.cite-ref-116[116]cite-ref-117[117]

Im Gegensatz zu dem sehr frĂŒhen Auftreten des Wolfes im nördlichsten Teil von Nordamerika, erreicht die Art die zentralen und sĂŒdlichen Bereiche des Kontinentes erst im Verlauf der letzten Kaltzeit, Ă€hnlich wie einige ihrer Beutetiere. Molekulargenetische Untersuchungen an Fossilien von Wölfen aus Sibirien mit Altersdaten von ĂŒber 50.000 bis um 14.000 Jahren vor heute ergaben ein variables VerwandtschaftsverhĂ€ltnis. So zeigen die Ă€ltesten analysierten Wolfsfunde der Region keine Bindung zu einer der heutigen Linien und stellen eigenstĂ€ndige Entwicklungen dar. Zu dieser Gruppe gehört auch ein mumifizierter Kadaver eines Welpen aus dem Permafrostgebiet bei Dawson City im kanadischen Yukon-Territorium, der den Spitznamen „ZhĂčr“ erhielt und rund 57.000 Jahre alt ist.cite-ref-meachen-et-al-2020-118-0[118] Einige Fossilreste mit Alterswerten um 35.000 bis 32.000 Jahre vor heute stehen hingegen dem Eurasischen Wolf (C. l. lupus) nahe, wĂ€hrend die jĂŒngsten untersuchten Funde enger an die heutigen nordamerikanischen Wölfe anschließen. Die Befunde zeigen auf, dass die damals nordasiatischen Wölfe trotz teils ĂŒbereinstimmender Morphologie keine in sich geschlossene Gruppe bildeten.cite-ref-119[119]

Funde mumifizierter Kadaver

Bei dem bereits erwĂ€hnten Fund von „ZhĂčr“ handelt es sich um ein knapp 42 cm langes und rund 670 g schweres weibliches Jungtier, das im Alter von rund sechs Wochen durch den Einbruch seines Baus starb. Der Kadaver wurde im Jahr 2016 an einem kleinen Nebenarm des Last Chance Creek im Klondike-Gebiet des Yukon-Territoriums entdeckt. In der Sprache der lokalen Tr’ondek Hwech’in bedeutet „ZhĂčr“ soviel wie „Wolf“.cite-ref-meachen-et-al-2020-118-1[118] Mehrere weitere Eismumien wurden in Jakutien (Nordasien) gefunden. Von Bedeutung sind zwei gut 14.000 Jahre alte Welpen aus Sjalach nordöstlich der Ortschaft Tumat im Gebiet Ust-Janski. Nach dem Ort werden sie als „Tumat 1“ und „Tumat 2“ bezeichnet. Sie kamen im Jahr 2011 beziehungsweise 2015 zum Vorschein. Beide Individuen sind weitgehend intakt mit KörperlĂ€ngen von 55 sowie 48 cm und jeweils einem 15 cm langen Schwanz. Sie sind beide weiblichen Geschlechts, laut genetischen Analysen stellen sie Wurfgeschwister dar. Im Vergleich mit rezenten Wölfen verstarben beide im Alter von sieben bis neun Wochen. Offensichtlich befanden sich die Jungtiere zu dem Zeitpunkt in der Entwöhnungsphase. Zu ihrer letzten Mahlzeit gehörten Reste eines Wollnashorns.cite-ref-runge-et-al-2025-120-0[120] Aus der Region von Belaja Gora stammt ein rund 18.000 Jahre alter mĂ€nnlicher Welpe, der „Dogor“ benannt wurde und vermutlich mit etwa zwei Monaten verendete.cite-ref-bergstr-m-et-al-2022-121-0[121]

Bestand und GefÀhrdung

Im Jahr 2003 wurde die weltweite Wolfspopulation auf 300.000 Exemplare geschĂ€tzt.cite-ref-122[122] Ein RĂŒckgang der Wolfspopulation wird seit den 1970er Jahren aufgehalten. Der Wettstreit mit Menschen um Vieh und Wildtiere, Bedenken ĂŒber die ausgehende Gefahr von Wölfen gegenĂŒber Menschen sowie die Habitattrennung stellen jedoch weiterhin eine Bedrohung fĂŒr den Wolf dar. Durch legale Schutzmaßnahmen, VerĂ€nderungen in der Landnutzung sowie die Landflucht konnte eine Wiederbesiedlung und EinfĂŒhrung in ehemalige Territorien gefördert werden. Die IUCN ordnet den Wolf wegen des relativ großen Verbreitungsgebietes und der stabilen Population als „nicht gefĂ€hrdet“ auf der Roten Liste ein (IUCN least concern).cite-ref-123[123] Die Art wird von dem Washingtoner ArtenschutzĂŒbereinkommen im zweiten Anhang aufgefĂŒhrt, was darauf hinweist, dass sie nicht vom Aussterben bedroht ist. Jedoch werden die Wolfspopulationen, die in Bhutan, Indien, Nepal und Pakistan leben, im ersten Anhang aufgefĂŒhrt. Dies zeigt auf, dass sie ohne EinschrĂ€nkungen im Handel möglicherweise aussterben werden.cite-ref-boitani2018-124-0[124]

Der Wolf galt seit dem 19. Jahrhundert in weiten Teilen Nord- und Mitteleuropas sowie in Großbritannien als ausgestorben, ebenso in einigen Staaten der USA, teilweise in Mexiko und in Japan, und in den ĂŒbrigen Regionen als stark dezimiert. Hauptursache ist laut IUCN die Verfolgung durch den Menschen, weil Wölfe Weidevieh und frei lebende Huftiere erbeuten sowie aufgrund â€žĂŒbertriebener Bedenken der Öffentlichkeit“ („exaggerated concern by the public“) bezĂŒglich der GefĂ€hrlichkeit von Wölfen. Zudem spielt die Fragmentierung der LebensrĂ€ume fĂŒr den RĂŒckgang der WolfsbestĂ€nde eine bedeutende Rolle.cite-ref-125[125] Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts kamen in Nordamerika grĂ¶ĂŸere BestĂ€nde nur in Alaska und Kanada und im US-Staat Minnesota vor und einige isolierte Populationen in verschiedenen anderen Regionen der Vereinigten Staaten. EuropĂ€ische Wolfspopulationen gab es noch in Galizien, Kroatien, der Krain, Serbien, Bosnien und Herzegowina, RumĂ€nien, Bulgarien, Griechenland und Albanien, in Polen, der Slowakei und Russland. Kleinere Vorkommen fanden sich zudem in den Bergregionen von Italien, Spanien und Portugal sowie Schweden, Norwegen und Finnland. Verbreitet blieb der Wolf in Asien, so in Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan, Afghanistan, in der Mongolei, in der Volksrepublik China, in Indien, Korea, Irak, im Iran, in der TĂŒrkei, in Armenien, Georgien, Aserbaidschan, Saudi-Arabien, Syrien und Israel. Daten und Zahlen hierzu gelten allerdings als fragmentarisch und unzureichend.cite-ref-126[126]

Obwohl Wölfe seit den 1970er Jahren international unter zunehmend hohem Schutz stehen und eine direkte Jagd in den meisten LĂ€ndern verboten ist, werden sie weiterhin aktiv verfolgt. In manchen Staaten bestehen nach wie vor offizielle Jagdquoten, ein Problem stellen außerdem Wilderei und illegale AbschĂŒsse dar. Nach Informationen der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW)cite-ref-127[127] wurden in Deutschland im letzten Jahr 13 Wölfe illegal getötet. Von insgesamt 125 tot gefundenen Tieren kamen 93 durch VerkehrsunfĂ€lle ums Leben. Diese Anteile finden sich auch in der langjĂ€hrigen Betrachtung wieder: Seit 1990 gab es 684 Totfunde, davon 71 durch illegale Tötung und 513 durch VerkehrsunfĂ€lle.cite-ref-0-128-0[128] Institutionen des internationalen und regionalen Naturschutzes und Maßnahmen des Wolfsmanagements wirken dem Bild des „bösen Wolfs“ entgegen und bemĂŒhen sich um VerĂ€nderungen in der gesellschaftlichen Wahrnehmung.

Bestand in Europa

Die BestĂ€nde des Wolfs sind seit Anfang des 21. Jahrhunderts in vielen europĂ€ischen LĂ€ndern stabil oder nehmen zu; speziell in Albanien, Finnland, Mazedonien, Portugal und in der spanischen Sierra Morena kam es jedoch zu rĂŒcklĂ€ufigen Bestandsentwicklungen.cite-ref-com12-129-0[129] Nach Erhebungen durch das Wolfsmonitoring in den Jahren zwischen 2009 und 2013 ging man von etwa 12.000 bis 18.000 Wölfen in Europa ohne die BestĂ€nde in Russland und der Ukraine aus.cite-ref-com12-129-1[129]cite-ref-130[130]cite-ref-131[131] Im Jahr 2018 bezifferte die Weltnaturschutzunion IUCN den gesamteuropĂ€ischen Bestand (ohne Russland) auf mehr als 17.000 Wölfe, fĂŒr die 28 Staaten der EuropĂ€ischen Union auf insgesamt 13.000 bis 14.000 Wölfe. Das Verbreitungsgebiet der Art nimmt nach extremen RĂŒckgĂ€ngen der 1960er und 1970er Jahre zu und erstreckt sich teilweise wieder auf Regionen, in denen der Wolf ausgerottet war.cite-ref-iucn2018-132-0[132] FĂŒr Europa insgesamt ordnete die IUCN die Spezies 2018 in die Kategorie nicht gefĂ€hrdet ein (englisch Least Concern), wobei die Menge und QualitĂ€t der Monitoringdaten in den europĂ€ischen LĂ€ndern sehr unterschiedlich ist.cite-ref-133[133] Die Initiative Großraubtiere fĂŒr Europa (LCIE) – eine Arbeitsgruppe der Kommission zur Erhaltung der Arten der IUCN – unterschied 2008 in Europa zehn Populationen des Wolfs, die aufgrund des genetischen Austauschs zwischen den Populationen von der IUCN auch als Subpopulationen einer gesamteuropĂ€ischen „Metapopulation“ eingestuft werden.cite-ref-134[134]

| Region | Population | EU-Staaten | Nicht-EU-Staaten | Rote Liste IUCN (Stand: 2018) [ 132 ] |
|---|---|---|---|---|
| Iberien | Nordwestlich | Spanien, Portugal | | NT – potenziell gefĂ€hrdet |
| Iberien | Sierra Morena | Spanien | | CR (D) – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben) |
| Alpin / Italien | Westalpen | Frankreich, Italien | Schweiz | VU (D1) – gefĂ€hrdet |
| | Italienische Halbinsel | Italien | | NT – potenziell gefĂ€hrdet |
| Dinarischer Balkan | Dinarischer Balkan | Slowenien, Griechenland, Bulgarien, Kroatien | Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Mazedonien, Albanien | LC – nicht gefĂ€hrdet |
| Karpaten | Karpatisch | Tschechien, Slowakei, Polen, RumĂ€nien | Ukraine, Serbien | LC – nicht gefĂ€hrdet |
| Skandinavien | Skandinavisch | Schweden | Norwegen | VU (D1) – gefĂ€hrdet |
| Nordosteuropa | Karelisch | Finnland | Russland | NT – potenziell gefĂ€hrdet |
| Nordosteuropa | Baltisch | Estland, Lettland, Litauen, Polen | Russland, Belarus, Ukraine | LC – nicht gefĂ€hrdet |
| Mitteleuropa | MitteleuropĂ€isches Flachland | Deutschland, Polen | | VU (D1) – gefĂ€hrdet |

Die Rote Liste ist ein Fachgutachten. Ein gesetzlicher Schutz resultiert aus der Zuordnung zu bestimmten Kategorien nicht (siehe Artenschutz).

MitteleuropÀische Flachlandpopulation

Da der frĂŒher verwendete Begriff „deutsch-westpolnische Population“ nicht der geografischen Verbreitung dieser Population entspricht, wurde stattdessen die Bezeichnung „mitteleuropĂ€ische Population“ vorgeschlagen.cite-ref-reinhardt-et-al-2013-135-0[135] Im aktualisierten Statusbericht fĂŒr die EuropĂ€ische Kommission heißt diese Population „Central European Lowland Population“ (mitteleuropĂ€ische Flachlandpopulation).cite-ref-kaczensky-et-al-2012-136-0[136]

Neuere Forschungen belegen, dass die BestĂ€nde in Deutschland und Westpolen entgegen bisherigen Annahmen weder eine eigenstĂ€ndige Population bilden noch weitgehend isoliert sind, sondern lediglich den westlichen Rand einer deutlich grĂ¶ĂŸeren, nordosteuropĂ€isch-baltischen Population darstellen, welche sich von Russland bis nach Niedersachsen und Schleswig-Holstein erstreckt. Zuwanderungen von Tieren aus Nordostpolen nach Westpolen und Deutschland aber auch RĂŒckwanderungen in östlicher Richtung sind kein Einzelfall, sondern hĂ€ufig. Der festgestellte Inzuchtkoeffizient beispielsweise des Bestandes in Brandenburg betrĂ€gt 0,01 und ist damit vergleichsweise niedrig.cite-ref-137[137]cite-ref-138[138]cite-ref-139[139] Nachdem im Bayerischen Wald im Jahre 2018 erstmals Welpen eines Wolfspaares dokumentiert wurden, dessen Eltern unterschiedlichen Populationen entstammen (nordosteuropĂ€isch-baltisch und abruzzo-alpin), ist mittelfristig zu erwarten, dass beide Populationen sich wieder zu einer Metapopulation verbinden.

WĂ€hrend 2005 fĂŒr Deutschland sechs und fĂŒr Westpolen 13 erwachsene Wölfe angegeben waren, wurden 2012 in Deutschland bereits 14 Rudel und drei reviertreue Paare, in Polen 22 Rudel und zwei Paare gezĂ€hlt. Die Anzahl aller adulten Wölfe wurde danach auf etwa 150 geschĂ€tzt.cite-ref-com12-129-2[129] Im Monitoringjahr 2012/13 wurden in Deutschland insgesamt 24 Wolfsrudel oder -paare sowie vier territoriale Einzelwölfe nachgewiesen.cite-ref-frei-8-1[8] 2016 gab es in Deutschland 120 bis 130 erwachsene Wölfe, die sich auf 46 Wolfsrudel, 15 Wolfspaare und vier sesshafte Einzelwölfe verteilten.cite-ref-spiegel-140-0[140]cite-ref-141[141] Auch in Polen kamen 2014 weitere Rudel hinzu. Dort etablierte sich ein Bestand von 31 Wolfspaaren; im Monitoringzeitraum davor waren es 26 Rudel.cite-ref-142[142] Im Erfassungszeitraum 2017/18 lebten in Deutschland 73 Rudel, 31 Paare und drei territoriale Einzeltiere. 2019 sind laut Bundesamt fĂŒr Naturschutz in Deutschland mindestens 275 bis 301 erwachsene Wölfe erfasst, die in 105 Rudeln leben.cite-ref-dbb-143-0[143] Nach Hochrechnungen des Deutschen Jagdverbands (DJV) lebten im FrĂŒhsommer 2019 insgesamt rund 1300 Wölfe in Deutschland, erwachsene und Jungtiere.cite-ref-144[144]

Im nordwestlichen Mitteleuropa ist ein außergewöhnlich dynamisches Wachstum dieser Wolfspopulation zu beobachten, die sich genetisch von anderen unterscheidet. Die genetischen Folgen dieses Prozesses sind noch nicht vollstĂ€ndig verstanden.cite-ref-145[145]

Alpine italienisch-französische Population

Der Wolf wurde im Alpenraum komplett und in Italien weitgehend ausgerottet. Ein Restbestand von rund 100 Wölfen ĂŒberlebte in den Abruzzen. Nachdem Italien die Art Mitte der 1970er Jahre unter Schutz gestellt hatte, erholte sich der Bestand und breitete sich im gesamten Apennin wieder aus. Im Jahr 2018 lebten auf der Italienischen Halbinsel wieder 1100 bis 2400 (wahrscheinlich etwa 1600) Wölfe.cite-ref-iucn2018-132-2[132] Der WWF schĂ€tzt, dass in Italien jedes Jahr 20 Prozent des Bestandes illegal geschossen werden.cite-ref-146[146]

Im Jahr 1985 wurde erstmals ein Wolf aus dem Apennin in den italienischen Alpen nachgewiesen, 1987 einer in den französischen Alpen. Die erste Rudelbildung erfolgte hier 1992. Die Ausbreitung schreitet seither weiter voran. In die Schweizer Alpen gelangten die ersten Wölfe 1995. Die Erhebungen im Winter 2010/2011 zeigten, dass im sĂŒdwestlichen Alpenraum insgesamt 37 Wolfsrudel lebten, davon 16 in Frankreich, 14 in Italien und sieben grenzĂŒberschreitende.cite-ref-147[147] Der minimale Bestand in den Rudelterritorien betrug 118–153 Tiere, insgesamt ging man von 250 bis 300 Wölfen in den Alpen aus.cite-ref-148[148] Weitere Rudelbildungen erfolgten seither in der Schweiz (2012), in den östlichen italienischen Alpen (2013) und im französischen Alpenbogen. In Frankreich gibt es seither auch Wolfsvorkommen in den Vogesen, im Zentralmassiv und in den PyrenĂ€en,cite-ref-149[149]cite-ref-150[150]cite-ref-151[151] im Winter 2018/19 insgesamt 80 Rudel und rund 530 Wölfe.cite-ref-152[152]

Skandinavische Population

Die sehr kleine Population in Skandinavien gilt vor allem wegen ihrer geringen genetischen Vielfalt als gefĂ€hrdet.cite-ref-153[153] Der Bestand an freilebenden Wölfen in Skandinavien geht auf nur drei GrĂŒndertiere zurĂŒck, die aus der finnisch-russischen Population stammen; zwei davon wanderten 1983 ein, ein drittes kam 1991 dazu.cite-ref-154[154] In jĂŒngster Vergangenheit wanderten aber mehrere Wölfe aus der finnisch-russischen Population zu, so dass sich die genetische Problematik entschĂ€rfte. Im Winter 2012/2013 wurden in Schweden 30 Rudel und 20 reviertreue Paare gezĂ€hlt, in Norwegen drei Rudel und vier Paare. FĂŒnf weitere Rudel und zwei Paare hatten grenzĂŒberschreitende Reviere. Der Bestand wurde auf 380 (±30) Wölfe geschĂ€tzt sowie im Jahr 2018 auf 430.cite-ref-iucn2018-132-3[132]cite-ref-155[155]

Karelisch-Baltische Population

FĂŒr Estland, Lettland und Litauen wurden 2018 zwischen 1713 und 2240 Wölfe angenommen, fĂŒr Belarus 1000 bis 1500 und 1600 fĂŒr die angrenzenden russischen Verwaltungsbezirke.cite-ref-iucn2018-132-4[132] Die SchĂ€tzungen fĂŒr Finnland belaufen sich auf 204 bis 234 Wölfe.cite-ref-iucn2018-132-5[132]cite-ref-156[156]

Karpatische Population

Die karpatische Population wurde 2018 auf 3460 bis 3840 Wölfe geschĂ€tzt, von denen die meisten in RumĂ€nien und in der Ukraine lebten; in den polnischen Karpaten lebten etwa 380 Wölfe. FĂŒr die Slowakei ging man von 300 bis 400 Wölfen aus.cite-ref-iucn2018-132-6[132]

Dinariden-Balkan-Population

Die PopulationsgrĂ¶ĂŸe im Gebiet der Dinariden und des Balkan wurde fĂŒr 2018 mit 3750 bis 4000 Wölfen angegeben. Deutliche Bestandserholungen wurden in Kroatien und Slowenien verzeichnet, in Serbien sowie Bosnien und Herzegowina waren aufgrund der Verfolgung durch den Menschen BestandsrĂŒckgĂ€nge wahrscheinlich.cite-ref-iucn2018-132-7[132]

Iberische Population

Die Gesamtzahl der iberischen Population wurde 2018 mit 2160 bis 2880 Tieren angegeben; davon lebten ĂŒber 80 Prozent in Spanien.cite-ref-euronat-157-0[157]cite-ref-iucn2018-132-8[132]

Die grĂ¶ĂŸten spanischen Vorkommen befinden sich in der autonomen Region Kastilien und LeĂłn (Provinzen LeĂłn, Zamora, Palencia, Burgos, Valladolid, Avila, Soria) sowie in Galicien, Asturien, Kantabrien, La Rioja, in der Provinz Álava (PaĂ­s Vasco), im Norden der Autonomen Gemeinschaft Madrid und im Norden der Provinz Guadalajara; die Lage in der Provinz Salamanca ist unklar.cite-ref-158[158] Einen isolierten und rĂŒcklĂ€ufigen Bestand von Wölfen zeigte die Sierra Morena. WĂ€hrend man 2005 noch von 63 bis 77 Tieren ausging, konnte 2012 nur noch ein Rudel festgestellt werden, und seit 2014 gibt es keinen Nachweis mehr.cite-ref-iucn2018-132-9[132] Es gab einige kleine Populationen in der Provinz CĂĄceres (Sierra de Gata und Sierra de San Pedro), die inzwischen ausgestorben sind beziehungsweise ausgerottet wurden.

In Portugal findet man Vorkommen fast ausschließlich nördlich des Douro: in Serras de Alvao, Arga, Peneda, Larouco, Geres, Soajo, Marao, Montesinho und Mogadouro. SĂŒdlich des Flusses leben Wölfe in folgenden Gebirgen: Serra de Leomil, Montemuro, Gralheira, Arada und möglicherweise Serra de Malcata.cite-ref-159[159]

Aus den französischen Seealpen sind Wölfe nach Spanien in den Naturpark Cadí-Moixeró vorgedrungen (katalanische PyrenÀen); dieses neue katalanische Vorkommen ist relativ klein.

Der Wolf in Deutschland

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Hauptartikel

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Wölfe in Deutschland

Die letzten ursprĂŒnglich im Gebiet des heutigen Deutschland lebenden Wölfe wurden bis spĂ€testens 1850 ausgerottet. Die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts bis Ende des 20. Jahrhunderts in Deutschland angetroffenen Wölfe waren wahrscheinlich ausnahmslos Zuwanderer.cite-ref-grunds-tze-160-0[160] Im Jahr 2000 wurde im sĂ€chsischen Teil der Lausitz erstmals wieder eine erfolgreiche Reproduktion (Welpenaufzucht) des Wolfes in Deutschland nachgewiesen. Seitdem hat der Bestand an Wölfen kontinuierlich zugenommen; das Verbreitungsgebiet hat sich bestĂ€ndig vergrĂ¶ĂŸert und auf große Teile Deutschlands ausgedehnt. Im Erfassungszeitraum (Monitoringjahr) 2020/21 gab es in zwölf BundeslĂ€ndern insgesamt 184 Rudel oder Paare; die Geburt von 556 Welpen wurde registriert.cite-ref-dbb-143-1[143] Durchziehende Einzeltiere wurden in allen BundeslĂ€ndern einschließlich der drei Stadtstaatencite-ref-161[161]cite-ref-162[162]cite-ref-163[163] sowie seit September 2023 auch im Saarlandcite-ref-164[164] beobachtet.cite-ref-165[165] Die Studie „Habitatmodellierung und AbschĂ€tzung der potenziellen Anzahl von Wolfsterritorien in Deutschland“, die im Auftrag des Bundesamts fĂŒr Naturschutz entstand und im Mai 2020 veröffentlicht wurde, schĂ€tzt, dass es in Deutschland einschließlich möglicher Territorien von Einzeltieren und Paaren ein Potenzial fĂŒr 700 bis 1400 Wolfsterritorien gibt.cite-ref-166[166]

Bis Herbst 2025 haben sich mindestens 219 Rudel, 43 Paare und 14 territoriale Einzeltiere in Deutschland angesiedelt.cite-ref-frei-8-2[8]cite-ref-ntv-wolf-ausbreitung-9-1[9]

Mit der wachsenden Zahl an Wölfen haben Angriffe von Wölfen auf Weidetiere zugenommen, insbesondere auf Schafe und Ziegen. Fast alle BundeslĂ€nder sehen deshalb Ausgleichszahlungen an Weideviehhalter vor und fördern Herdenschutzmaßnahmen wie ElektrozĂ€une.cite-ref-167[167] Wölfe, die ihre natĂŒrliche Scheu vor Menschen vermissen lassen, versucht man durch VergrĂ€mung fernzuhalten; auch Ausnahmegenehmigungen zur „Entnahme“ eines Wolfs aus dem Bestand beziehungsweise zu seiner Tötung können erteilt werden.cite-ref-168[168]cite-ref-169[169] Von 1990 bis Anfang Januar 2022 wurden in Deutschland 684 Wölfe tot aufgefunden; 513 davon waren Verkehrsopfer, 71 waren illegal getötet worden.cite-ref-0-128-1[128] Der Wolf ist in Deutschland eine durch das Bundesnaturschutzgesetz streng geschĂŒtzte Tierart; die vorsĂ€tzliche Tötung eines Wolfes gilt als Straftat und kann, ebenso wie der versehentliche Abschuss eines Wolfes, mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden.cite-ref-170[170]

Der Wolf in Österreich

Nach der Eiszeit waren Wölfe im Großteil des heutigen Staatsgebietes verbreitet. 1846 erlegte Erzherzog Franz Karl von Österreich den letzten im Wienerwald lebenden Wolf.cite-ref-171[171] Das Hauptverbreitungsgebiet der Wölfe war die Steiermark, wo sie bis 1882 vorkamen; in diesem Jahr wurde der letzte in Österreich heimische Wolf getötet. In den folgenden Jahrzehnten in Österreich erschienene Wölfe gelten als Zuwanderer, etwa ein im MĂ€rz 1914 in der Koralpe erschossener RĂŒde, der als „Bauernschreck“ Hunderte von Weidetieren und frei lebende Huftiere getötet haben soll; etliche Hinweise sprachen allerdings dafĂŒr, dass in der betroffenen Region Großraubtiere aus Gefangenschaftshaltung entkommen waren.cite-ref-172[172] Bis zur Jahrtausendwende konnte sich keine Population mehr dauerhaft etablieren, ein sich 1954 erfolgreich fortpflanzendes Paar in Osttirol blieb ein Einzelfall.cite-ref-173[173]

Seit 1970 stieg die Zahl der Sichtungen im Grenzgebiet Österreich/Tschechien. im oberösterreichischen Bezirk Rohrbach wurde bis 1989 nur ein Wolf gesichtet, zwischen 1990 und 2004 waren es zehn Tiere in derselben Region. Aus dieser Zeit sind Meldungen ĂŒber AbschĂŒsse im Bezirk Rohrbach, bei Eibiswald in der Steiermark und bei Eisenkappl in KĂ€rnten bestĂ€tigt.cite-ref-174[174]

Besonders seit 2009 nimmt die Zahl der Wolfsnachweise in Österreich zu. FĂŒr das Jahr 2010 schĂ€tzte der WWF, dass sich in Österreich drei bis fĂŒnf Tiere in den östlichen BundeslĂ€ndern aufhalten.cite-ref-wwf-175-0[175]cite-ref-standard-10-august-2010-176-0[176] Seit 2009 wurden zudem in Tirol mindestens drei Wölfe nachgewiesen. Die europĂ€ische Kommission gab 2013 fĂŒr Österreich zwei bis acht Tiere an.cite-ref-com12-129-3[129] Bemerkenswert ist, dass diese Wölfe aus drei verschiedenen Populationen stammen: aus den Westalpen, dem Balkan und den Karpaten.cite-ref-177[177] Im Jahr 2016 wurden auch Spuren eines einzelnen Wolfes im Waldviertler TruppenĂŒbungsplatz Allentsteig gefunden.cite-ref-178[178] Im August 2016 registrierte dort eine Fotofalle vier Wölfe, darunter zwei Jungtiere, also eine Familie; damit wurde nach ĂŒber hundert Jahren erstmals Nachwuchs gesichtet. Anfang August 2017 wurde ĂŒber elf Wölfe am TruppenĂŒbungsplatz Allentsteig berichtet und ĂŒber 24 gemeldete Risse durch Wölfe im laufenden Jahr.cite-ref-179[179] Im Jahr 2020 wurden in Tirol zehn verschiedene Wölfe nachgewiesen, welche 281 Schafe rissen und aus drei Herkunftspopulationen stammen.cite-ref-180[180]cite-ref-181[181]

Der Wolf in der Schweiz

Nach ihrer Ausrottung sind Wölfe in der Schweiz erstmals wieder 1996 eingewandert. Die erste Sichtung eines Wolfes, nachdem dieser als ausgestorben galt, wurde aber bereits 1990 dokumentiert.cite-ref-182[182] Mit wenigen Ausnahmen stammen alle Wölfe aus der italienischen Population und der Alpenpopulation. 2012 entstand das erste Rudel im Calandagebiet im Kanton GraubĂŒnden. Im Verlauf der Jahre wanderten immer mehr Tiere in die Schweiz ein oder wurden hier geboren. So waren es im Jahr 2018 vier Rudel, 2020 elf Rudel und 2022 bereits 26 Rudel. Ein Teil der Rudel lebt in einem grenzĂŒberschreitenden Gebiet nur teilweise in der Schweiz.cite-ref-183[183]

Im November 2023 gab Umweltminister Albert Rösti bekannt, dass der Bundesrat seine Anpassung an der Jagdverordnung gutgeheissen hat. In der neuen Verordnung wurden die Abschusskriterien gelockert und es sind nun prĂ€ventive AbschĂŒsse möglich. Dabei darf eine minimale Anzahl von zwölf Rudeln schweizweit nicht unterschritten werden. In begrĂŒndeten FĂ€llen soll es in Zukunft sogar möglich sein, dass ganze Rudel ausgerottet werden. Die neue Verordnung trat bereits Anfang Dezember 2023 in Kraft.cite-ref-184[184]

Recherchen der Onlinezeitung watson legen nahe, dass die Zahl von zwölf Rudeln willkĂŒrlich gewĂ€hlt wurde. Das Bundesamt fĂŒr Umwelt schlug vor, einen Wolfsrudelbestand von minimal 20 Rudeln vorzusehen, um sicherzustellen, dass die Schweiz nicht gegen die Berner Konventionen verstĂ¶ĂŸt. Albert Rösti ignorierte den Vorschlag. Außerdem verzichtete er, entgegen den Empfehlungen der damit beschĂ€ftigten BundesĂ€mter, auf eine Vernehmlassung.cite-ref-185[185] Die UmweltverbĂ€nde wollen die AbschussverfĂŒgungen gerichtlich prĂŒfen lassen. DafĂŒr reichen ProNatura, WWF Schweiz und BirdLife Schweiz Beschwerden gegen sieben der 15 AbschussverfĂŒgungen beim Bundesverwaltungsgericht ein.cite-ref-186[186] Diese haben eine aufschiebende Wirkung, was bedeutet, dass die Tiere nicht reguliert werden dĂŒrfen, bis sich das Gericht entschieden hat.cite-ref-187[187] Eine Analyse des SRF im FrĂŒhjahr 2024 hat ergeben, dass ein Großteil der geschossenen Wölfe im Wallis nicht zu den Problemtieren gehört hat.cite-ref-188[188]

Gesetzlicher Schutz

Der Schutz des Wolfs mit dem Ziel seiner Wiederausbreitung wurde von der 1970 gegrĂŒndeten Wolf Specialist Group der IUCN mit finanzieller UnterstĂŒtzung des WWF als Vorhaben in Planung genommen, um den Erhaltungszustand des Wolfes unter der Aufgabenstellung zu untersuchen, „Wölfe als lebensfĂ€hige Spezies in der holarktischen Umwelt der Welt fĂŒr wissenschaftliche, erzieherische und wirtschaftliche Zwecke auf Dauer zu erhalten und das VerstĂ€ndnis und die WertschĂ€tzung des Wolfes als wichtiges und nĂŒtzliches Element natĂŒrlicher Ökosysteme zu verbessern, so dass die Menschen durch ihre Anwesenheit in wilden Lebensgemeinschaften Freude und Zufriedenheit gewinnen“.cite-ref-189[189]

In Europa ist der Wolf durch folgende Regelwerke geschĂŒtzt:

‱ Dem Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES, Convention on International Trade in Endangered Species of the Wild Fauna and Flora) vom 3. MĂ€rz 1973 gehören 152 Staaten an. Es stellt Richtlinien fĂŒr den Handel mit geschĂŒtzten Tieren und deren Erzeugnissen auf und schrĂ€nkt die Ein- und Ausfuhr der Tiere oder ihrer Teile (Felle, SchĂ€del, Knochen 
) ein. Der Wolf ist hier in Anhang II (gefĂ€hrdete Tierart) aufgefĂŒhrt, einige vom Aussterben bedrohte Subpopulationen in Anhang I.

‱ In der Berner Konvention des Europarates haben sich 49 Staaten und die EuropĂ€ische Union (EU) auf die Erhaltung und den Schutz wildlebender Pflanzen und Tiere und ihrer LebensrĂ€ume verstĂ€ndigt.cite-ref-190[190] Der Wolf war in Anhang II der Konvention aufgefĂŒhrt.cite-ref-191[191] Im August 2018 hat die Schweiz einen Antrag um RĂŒckstufung des Wolfs von „streng geschĂŒtzt“ zu „geschĂŒtzt“ in der Berner Konvention eingereicht.cite-ref-192[192] Im Dezember 2024 wurde ein entsprechender Antrag der EU angenommen.cite-ref-193[193] Die Änderung trat am 7. MĂ€rz 2025 in Kraft und der Wolf ist seitdem in Anhang III aufgefĂŒhrt.cite-ref-194[194]cite-ref-195[195]
‱ Die FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. 92/43/EWG)cite-ref-196[196] wurde 1992 von der EG in Kraft gesetzt und soll die Ausweisung und Erhaltung von LebensrĂ€umen und Wildtieren regeln. Der Wolf wurde in der ĂŒberwiegenden Zahl der Mitgliedsstaaten der EU in Anhang IV aufgefĂŒhrt, sein Lebensraum in Anhang II.cite-ref-197[197] Die FFH-Richtlinie ist von allen EU-Mitgliedsstaaten jeweils in nationales Recht umzusetzen.cite-ref-198[198] FĂŒr im Anhang IV gefĂŒhrte Arten besteht strenger Schutz. Ausnahmen gemĂ€ĂŸ Artikel 16 der Habitatsdirektive sind möglich.cite-ref-199[199]cite-ref-200[200] Estland, Lettland, Litauen, Polen, die Slowakei, Bulgarien und Griechenland fĂŒhren den Wolf im Anhang V als geschĂŒtzte Art. Spanien fĂŒhrte den Wolf nur im nördlichen Teil des Landes im Anhang V. In Finnland gibt es wolfsfreie Zonen mit Rentierzucht, in denen der Wolf auch im Anhang V gefĂŒhrt wird.cite-ref-201[201]cite-ref-202[202] In Finnland, Estland, Lettland, Litauen und Griechenland gibt es keine gleichzeitige Nennung im Anhang II. GemĂ€ĂŸ Artikel 9 Absatz 1 der Berner Konvention kann jede Vertragspartei Ausnahmen zulassen unter der Voraussetzung, dass es keine andere befriedigende Lösung gibt und die Ausnahme dem Bestand der betreffenden Population nicht schadet.cite-ref-203[203]cite-ref-204[204]cite-ref-205[205] Am 17. Juni 2025 wurde der Wolf aus dem Anhang IV entfernt und ist nun EU-weit im Anhang Vcite-ref-206[206].
‱ In Deutschland setzt das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) die FFH-Richtlinie in deutsches Recht um und stellt den Wolf gemĂ€ĂŸ § 7 Abs. 2 Nr. 14 Buchstabe a und b BNatSchG unter strengen Schutz. Er unterliegt außerhalb Sachsens nicht dem Jagdrecht, in Sachsen ist er ganzjĂ€hrig geschont.cite-ref-207[207]
‱ Ebenso gilt in Österreich nach dem Wiener Naturschutzgesetz und in allen EU-Mitgliedsstaaten, die den Wolf im Anhang IV der FFH-Richtlinie fĂŒhren, der Status streng geschĂŒtzt. In verschiedenen Landesjagdgesetzen Österreichs gilt er als nicht jagdbar oder ist ganzjĂ€hrig geschont. Das österreichische Tierseuchengesetz regelt nach § 41 die Tötung von Wölfen, bei denen die Wutkrankheit (Tollwut) ausgebrochen ist.cite-ref-208[208]

FĂŒr EU-Mitgliedsstaaten bedurfte ein Antrag auf Änderung in der Listung des Wolfs in den AnhĂ€ngen der FFH-Richtlinie der Zustimmung der Abteilung fĂŒr Großraubtiere in der EU-Kommission, in der Mitglieder der LCIE beratende Funktion haben.cite-ref-209[209]cite-ref-210[210] Staaten außerhalb der EU, die zu den Unterzeichnerstaaten der Berner Konvention gehören, können einen entsprechenden Antrag auf Änderung des Schutzstatus beim StĂ€ndigen Ausschuss der Berner Konvention einreichen, in dem ebenfalls die LCIE beratende Funktion hat.cite-ref-211[211] Beispielsweise hat die Schweiz 2006 einen solchen Antrag gestellt, der damals abgelehnt wurde.cite-ref-212[212] 2018 beantragte die Schweiz die Senkung des Schutzstatus erneut. Aufgrund des passiven Verhaltens der Large Carnivore Initiative for Europe verzögert sich die Bearbeitung.cite-ref-213[213]cite-ref-214[214]cite-ref-215[215] Im November 2022 wurde der entsprechende Antrag abgelehnt.cite-ref-216[216] In der Schweiz dĂŒrfen ab dem 1. Dezember 2023 unter bestimmten Bedingungen bis zu ganze Rudel prĂ€ventiv abgeschossen werden. Die Jagdverordnung wurde entsprechend angepasst.cite-ref-217[217]

Bestand in Nordamerika

In Kanada leben 50.000 bis 60.000 Wölfe in 80 % ihres historischen Verbreitungsgebietes.cite-ref-wild-mammals-218-0[218] Unter dem kanadischen Gesetz sind indigene Völker ohne EinschrĂ€nkungen zur Jagd von Wölfen zugelassen. Jedoch mĂŒssen andere Einwohner Lizenzen fĂŒr die Jagdsaison erwerben. Bis zu 4000 Wölfe werden jedes Jahr in Kanada gefangen.cite-ref-219[219] Der Wolf ist unter dem Canada National Parks Act eine geschĂŒtzte Spezies in Nationalparks.cite-ref-220[220]

In Alaska wurden zwischen 7.000 und 11.000 Wölfe, auf 85 % der LandesflĂ€che verteilt gefunden, welche eine GrĂ¶ĂŸe von 1.517.733 Quadratkilometer einnimmt. Wölfe können mittels Lizenz gejagt und gefangen werden. Rund 1.200 Wölfe werden jĂ€hrlich gefangen.cite-ref-221[221] In den aneinandergrenzenden US-Staaten wird der RĂŒckgang von Wölfen durch die Expansion der Landwirtschaft, die Dezimierung der Hauptbeute, wie beispielsweise den Bisons, und durch Ausrottungskampagnen ausgelöst.cite-ref-wild-mammals-218-1[218] Unter dem Endangered Species Act von 1973 wurde Wölfen Schutz geboten, jedoch bestanden die bis dahin einzigen ĂŒberlebenden Populationen aus mehreren hundert Wölfen, welche in Minnesota und auf Michigans Isle Royale lebten. Unter Bundesschutz wuchs die Wolfspopulation in Minnesota auf 3.000 Individuen in der Mitte der 2000er Jahre an. Zudem wiederbesiedelten mehrere hundert Wölfe Wisconsin und die Obere Halbinsel von Michigan.cite-ref-222[222]

In den spĂ€ten 1970er Jahren begannen Wölfe aus dem SĂŒdwesten Kanadas den Nordwesten Montanas zu durchqueren, um im Jahr 1986 ein Geburtshöhlengebiet im Glacier-Nationalpark zu grĂŒnden. Im Jahre 1995 siedelte die Bundesregierung wieder Wölfe im Yellowstone-Nationalpark an, wo diese seit den 1930er Jahren abwesend waren. Außerdem auch in Zentralidaho, als Teil des Rocky-Mountains-Wiederherstellungsplans.cite-ref-223[223] Seitdem nehmen Wölfe ein großes Gebiet der nördlichen Rocky Mountains ein, mit mindestens 1704 Wölfen in Montana, Idaho und Wyoming im Jahr 2015. Außerdem haben diese auch Populationen in Washington und Oregon aufgebaut.cite-ref-224[224] Im Jahr 2018 wurde die Wolfspopulation in Washington auf ein Minimum von 126 Exemplaren geschĂ€tzt.cite-ref-225[225] Weiter wanderte im April 2019 ein Wolfsrudel von Oregon nach Kalifornien ein und brachte drei Welpen zur Welt.cite-ref-226[226]

In Mexiko arbeiteten die amerikanische und die mexikanische Regierung zusammen, um alle wilden mexikanischen Wölfe einzufangen und damit ihrem Aussterben entgegenzuwirken. Zwischen 1977 und 1980 wurden fĂŒnf wilde mexikanische Wölfe (vier mĂ€nnliche und ein trĂ€chtiges Weibchen) lebend gefangen, um fĂŒr ein beginnendes Zuchtprogramm in Gefangenschaft eingesetzt zu werden. Ab 1997 wurden in diesem Zuchtprojekt geborene Wölfe Wachstationen in Arizona und New Mexico ĂŒbergeben, um die Wiederbesiedlung ihres historischen Bestands zu beginnen.cite-ref-227[227] Laut einer Bestandsaufnahme von 2018 lebten zu dieser Zeit 230 Wölfe in Mexiko, 64 in Arizona, 67 in New Mexico und 240 Exemplare in Zucht in beiden LĂ€ndern.cite-ref-228[228]

Mensch und Wolf

Domestizierung

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Hauptartikel

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Abschnitt „Domestizierung“ im Artikel „Haushund“

Der Wolf ist der alleinige Vorfahr des Haushundes. Wie Wölfe domestiziert wurden, ist unbekannt. Die Verwandtschaft zum Wolf zeigt sich recht deutlich bei einigen Hunderassen; Samojede, Siberian Husky, Alaskan Malamute, Kanaanhund oder der Shiba und Akita weisen einen ursprĂŒnglichen Typ mit spitzem Fang, spitzen Stehohren und quadratischem Körperbau auf; auch andere Rassen wie der Deutsche SchĂ€ferhund zeigen eine gewisse Ă€ußere Ähnlichkeit zum Wolf. Diese Rassen sind jedoch nicht enger mit dem Wolf verwandt als andere. Das Lautverhalten der Wolfs- und Schlittenhunde Ă€hnelt dem der Wölfe; sie bellen kaum und wenn, dann nicht anhaltend, stattdessen jaulen und heulen sie in vielen Variationen. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in FĂ€higkeiten und Verhalten von Wölfen und Hunden erforscht das Wolf Science Center.

VerhÀltnis des Menschen zum Wolf

Verehrung

Viele Völker, die von der Jagd lebten, etwa in Nordeuropa und Nordamerika, sahen im Wolf einen ihnen ebenbĂŒrtigen oder ĂŒberlegenen Konkurrenten, dessen Ausdauer und Geschick bewundert und begehrt waren. Der Wolf wurde auch als BeschĂŒtzer oder als ĂŒbernatĂŒrliches Wesen betrachtet und verehrt. Krieger identifizierten sich mit dem Wolf (Therianthropie); Vornamen wie Wolf, Adolf, Wolfgang oder Wolfhard erinnern an seine WertschĂ€tzung. Verschiedene Teile des Wolfs galten auch in Deutschland als heilkrĂ€ftig. So sollten Schuhe aus Wolfsfell Knaben zu tapferen MĂ€nnern heranwachsen lassen. WĂ€hrend der Wolf von vorchristlichen europĂ€ischen Völkern verehrt wurde, nachweislich den Kelten der Eisenzeit und den Germanencite-ref-welt-354665-229-0[229] der Römerzeit, wurde die Beziehung des Menschen zum Wolf in Europa im Zuge der fortgeschrittenen Christianisierung, besonders ab dem Mittelalter und in der FrĂŒhen Neuzeit, zunehmend von Angst und DĂ€monisierung geprĂ€gt.cite-ref-230[230]

Konflikte zwischen Mensch und Wolf

Da der Wolf sowohl Nutztiere reißt als auch Menschen angreifen kann,cite-ref-231[231] wird er von vielen als bedrohlich angesehen. Zudem ernĂ€hrt er sich vorrangig von Wild und war deshalb in historischer Zeit ein bedeutsamer interspezifischer Konkurrent des Menschen. Dies betraf Naturprodukte wie Fleisch, Felle und Knochen. Die starke Ausbreitung menschlicher Siedlungs- und AgrarflĂ€chen sowie die offene Viehhaltung, hier vor allem die bis ins 19. Jahrhundert verbreitete Waldweide von Rindern, Schafen, Schweinen und Pferden, fĂŒhrte zu zahlreichen Haustierverlusten durch Wölfe. Auch wenn die angegebenen Verluste in manchen FĂ€llen ĂŒbertrieben waren oder durch wildernde Hunde verursacht wurden, waren die wirtschaftlichen SchĂ€den bei dieser Art der Viehhaltung fĂŒr die Bauern hĂ€ufig bedeutend. Typisch waren Beschreibungen wie die im Grossen vollstĂ€ndigen Universal-Lexicon aus dem Jahr 1758.cite-ref-patrick-masius-2012-232-0[232] Dort wird behauptet, der Wolf sei „gar sehr gefrĂ€ĂŸig, grausam, arglistig, und der gefĂ€hrlichste Feind der wilden und zahmen Thiere, sonderlich der Schaafe“, ferner das „schĂ€dlichste Geschöpf Gottes“, welches „die Menschen angreiffet, zerreisset und frisset.“ Berichte und Geschichten ĂŒber „Wolfsplagen“ und Angriffe auf Menschen (zum Teil mit Todesfolge) finden sich bis in die Neuzeit in zahlreichen schriftlichen Quellen. So wird schon 1197 von einer „Wolfsplage“ an der Mosel berichtet, die angeblich mehrere menschliche Opfer forderte.

Ziel der Verfolgung des Wolfs in West- und Mitteleuropa, vor allem durch große Treibjagden, war die völlige Ausrottung.cite-ref-233[233] Mit sogenanntem Wolfzeug (Seile, an welchen Lappen hingen) wurden die bekannten RĂŒckzugsgebiete umspannt. Die Wölfe schlĂŒpften nicht unter diesen Seilen mit Lappen hindurch, sondern blieben im abgesperrten Bereich. Die Treiber trieben die Wölfe auf eine SchĂŒtzenkette zu, wo diese dann erschossen wurden. Zu den Treibjagden wurde das Jagd- und Forstpersonal, ferner die zu Jagdfrondiensten verpflichtete Bevölkerung aufgeboten. Diese Wolftreibjagden waren bei der Bevölkerung verhasst, da sie im Winter bei Neuschnee durchgefĂŒhrt wurden. Denn nur bei Neuschnee konnte man den Spuren der Wölfe gut folgen und deren RĂŒckzugsgebiete feststellen. Die Jagden dauerten viele Stunden, ja Tage. Bei der zu Jagdfrondiensten verpflichteten Bevölkerung handelte es sich meist um arme Tagelöhner und Bauern. Diese Treiber verfĂŒgten hĂ€ufig nur ĂŒber unzureichende Winterbekleidung, was immer wieder zu Erkrankungen fĂŒhrte. In der Oranienburger Region wurden zu Beginn des 18. Jahrhunderts zwischen 10 und 25 Jagden pro Jahr angesetzt. Gemeinden und StĂ€dte versuchten immer wieder, sich von der Stellung von Treibern zu befreien. Die Stadt Neu-Ruppin zahlte 1672 mehrere hundert Reichstaler, um die Verpflichtung loszuwerden.

Neben den Treibjagden gab es noch andere Jagdmethoden. Um den Anreiz fĂŒr die Wolfsjagd zu erhöhen, wurden in Mitteleuropa vom ausgehenden Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert FangprĂ€mien ausgelobt. Diese wurden in Form von Naturalien oder Bargeld ausgezahlt. In Niederhessen erhielt man beispielsweise Mitte des 17. Jahrhunderts fĂŒr die Tötung eines Wolfs ein Klafter Holz, im Spessart ebenfalls um diese Zeit fĂŒr einen toten Wolf ein Malter Roggen. Die Höhe der GeldprĂ€mien variierte im Lauf der Zeit stark; um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurden fĂŒr einen erwachsenen Wolf etwa ein bis vier Reichstaler gezahlt, im 18. und 19. Jahrhundert 50 bis 100 Reichstaler. Als Beleg fĂŒr die Tötung eines Wolfs wurden das Fell, die Pfoten oder der Kopf akzeptiert. Die Auslobung von FangprĂ€mien trug erheblich zur Ausrottung des Wolfs bei. Es wurden u. a. mit Arsen oder Blauem Eisenhut vergiftete Köder eingesetzt, im 19. Jahrhundert auch Strychnin. Auch WolfsgĂ€rten, von hohen ZĂ€unen umgebene und mit Ködern ausgestattete FlĂ€chen, in denen eingedrungene Wölfe getötet wurden, und Wolfsgruben wurden angelegt.cite-ref-234[234] Eine weitere Methode waren aus Eisen geschmiedete Wolfsangeln.cite-ref-235[235] Die mit Widerhaken versehenen Enden wurden mit Ködern bestĂŒckt und an einem Baum so hoch aufgehĂ€ngt, dass der Wolf danach springen musste, um zuschnappen zu können. Der Wolf blieb mit dem Maul hĂ€ngen und verendete in einem langen Todeskampf.

Schon im 18. Jahrhundert wurden westlich der Oder im Deutschen Reich nur noch Einzelwölfe festgestellt.cite-ref-patrick-masius-2012-232-1[232] Nur in Ostpreußen konnte sich die Wolfspopulation noch halten. So betrug die Jagdstrecke in Ostpreußen im Winter 1747/48 noch immer 241 Wölfe, wĂ€hrend in den drei westlich angrenzenden Provinzen zusammen nur noch 24 Wölfe zur Strecke kamen. Noch 1764 forderte die brandenburgische Provinzialregierung eine Erhöhung des Schussgelds, weil zehn Wölfe festgestellt wurden, die bald darauf (ohne Erhöhung des Schussgeldes) erschossen wurden. Der Wolf wurde nach und nach in immer mehr Gebieten ausgerottet.

Der Wolf wurde unter anderem in Großbritannien (letzte Erlegung 1743), DĂ€nemark (1772), Luxemburg (1893)cite-ref-236[236] und Deutschland (spĂ€testens 1904) ausgerottet. In SĂŒd- und Osteuropa gelang es in historischer Zeit nie, die BestĂ€nde bis zur annĂ€hernden Ausrottung zu dezimieren.

Schutzmaßnahmen gegen die Erbeutung von Nutztieren

Schutzmaßnahmen sind fĂŒr alle Weidetiere, vor allem aber fĂŒr Schafherden wichtig. Zum Schutz werden heute in erster Linie wolfssichere Nachtpferche, ElektrozĂ€une und Herdenschutzhunde eingesetzt, des Weiteren auch Herdenschutzesel. Herdenschutzhunde sind von HĂŒtehunden zu unterscheiden, die dem SchĂ€fer helfen, die Herde zusammenzuhalten und die Bewegung der Herde zu lenken.

Von Seiten der Landwirtschaft gibt es Forderungen wie „100-prozentige Übernahme der Kosten fĂŒr wolfssichere ZĂ€une zum Schutz von Weidetieren; das Einrichten von wolfsfreien Zonen; die „Entnahme“ aller Wölfe, die sich bei den Weidetieren bedienen; die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht sowie den 100-prozentigen Ersatz aller durch Isegrim getöteten, verletzten oder durch FrĂŒhabort geschĂ€digten Weidetiere.“cite-ref-237[237]

Angriffe auf Menschen

| | | Tollwut | ohne Tollwut | Summe |
|---|---|---|---|---|
| Europa ohne UdSSR/Russland | Angriffe | 38 | 12 | 50 |
| | Todesopfer | 5 | 4 | 9 |
| weltweit | Angriffe | 799 | 342 | 1141 |
| | Todesopfer | 50 | 281 | 331 |
| Indien | Angriffe | 77 | 311 | 388 |
| | Todesopfer | 5 | 273 | 278 |
| Iran | Angriffe | 474 | 0 | 474 |
| | Todesopfer | 22 | 0 | 22 |

Nach einer umfangreichen Untersuchung des Autorenkollektivs Linnell et al.cite-ref-nina-238-0[238] gab es von 1950 bis 2000 in Europa (ohne UdSSR/Russland) 50 Angriffe auf Menschen mit neun Todesopfern; 38 dieser Angriffe mit fĂŒnf Todesopfern entfielen auf tollwĂŒtige Wölfe. Weltweit ereigneten sich im selben Zeitraum 1141 Angriffe mit 331 Todesopfern. Sieben von zehn Angriffen, aber nur jedes siebte Todesopfer, wurden von tollwĂŒtigen Wölfen verursacht. Eine Sonderrolle spielte Indien: Dort fanden 91 Prozent der tollwutfreien Angriffe statt, die 97 Prozent der Todesopfer zur Folge hatten; außerhalb von Indien gab es in den 51 betrachteten Jahren acht Todesopfer nicht tollwĂŒtiger Wölfe. AuffĂ€llig war auch die Lage im Iran, wo es zu 59 Prozent der weltweit durch Tollwut verursachten Angriffe kam.

Die tödlichen Angriffe tollwutfreier Wölfe in diesem Zeitraum betrafen in vier von fĂŒnf FĂ€llen Kinder unter zehn Jahren. Das ĂŒbrige FĂŒnftel betraf die Altersgruppe der 10- bis 18-JĂ€hrigen sowie eine ĂŒber 18-jĂ€hrige Frau. Dagegen waren bei Angriffen tollwĂŒtiger Wölfe erwachsene MĂ€nner die grĂ¶ĂŸte Opfergruppe.

Linnell et al. publizierten 2021 ein Update, in dem sie ihre Untersuchungsergebnisse fĂŒr 2002 bis 2020 darstellten. FĂŒr Europa und Nordamerika ermittelten die Autoren in dem untersuchten Zeitraum zwölf Wolfsangriffe, bei denen insgesamt 14 Menschen angegriffen wurden; zwei dieser Angriffe, beide in Nordamerika, verliefen tödlich. Da in Nordamerika etwa 60 000 Wölfe leben und in Europa etwa 15 000 Wölfe, deren LebensrĂ€ume sich mit denen von Hunderten Millionen Menschen ĂŒberschneiden, ist das statistische Risiko eines Wolfsangriffs den Autoren zufolge hier zwar grĂ¶ĂŸer als Null, aber bei Weitem zu gering, um daraus eine aussagekrĂ€ftige Zahl abzuleiten. Weltweit ermittelten die Autoren im untersuchten Zeitraum 67 Angriffe, bei denen Wölfe Beute machen wollten („predatory“), neun davon verliefen tödlich. Hinzu kamen 380 Angriffe tollwĂŒtiger Wölfe (vor allem in der TĂŒrkei, in Indien und in der Ukraine), einschließlich 14 Todesopfern, sowie 42 FĂ€lle mit drei Todesopfern, bei denen die Wölfe sich gegen Menschen verteidigten („defensive/provoked“). Die Autoren gehen davon aus, dass sie, abgesehen von der gut dokumentierten Situation in Europa und Nordamerika, nur einen Teil der Angriffe erfassen konnten. Allerdings wĂŒrden Berichte ĂŒber angebliche Wolfsangriffe oftmals fĂ€lschlich oder ohne ÜberprĂŒfung als Wolfsangriffe deklariert, etwa in einer Liste der englischsprachigen Wikipedia.cite-ref-239[239]

Neben rĂ€uberischen Angriffen und Tollwut kommen weitere Ursachen fĂŒr Wolfsangriffe infrage. Dazu gehört die Gewöhnung an Menschen, etwa bei Gehegewölfen oder weil frei lebende Wölfe gefĂŒttert wurden. Ein weiterer Punkt könnten solche VerĂ€nderungen der LebensrĂ€ume sein, bei denen Wölfen der Zugriff auf wild lebende Beutetiere durch LandnutzungsĂ€nderungen unmöglich gemacht wird; stattdessen werden Nutztiere oder AbfĂ€lle gefressen, wodurch ebenfalls eine Gewöhnung an den Menschen erfolgen kann. Schließlich kann es zu Angriffen von Wölfen auf Hunde kommen; möglicherweise werden dabei auch Menschen angegriffen, wenn diese versuchen, einen Hund zu verteidigen.

Historische Aufzeichnungen berichten von hĂ€ufigeren und schwerwiegenden Angriffen. Linnell et al. registrierten fĂŒr das 18. Jahrhundert bis zur ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts folgende ungefĂ€hren Fallzahlen: 18. Jahrhundert: 733 Angriffe tollwĂŒtiger Wölfe, 839 Angriffe nicht tollwĂŒtiger Wölfe; 19. Jahrhundert: 896 beziehungsweise 1613 Angriffe; erste HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts: 183 beziehungsweise 531 Angriffe. Zudem erfassten diese Autoren folgende TodesfĂ€lle durch Wolfsangriffe: 18. Jahrhundert: mehr als 910; 19. Jahrhundert: 1437; erste HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts: mehr als 202 (davon 115 in Indien). Die europĂ€ischen Wolfsangriffe betrafen teilweise Wölfe, die aus Gefangenschaftshaltung entkommen waren. Viele der historischen Berichte sind umstritten. So ist bis heute ungeklĂ€rt, ob es sich bei der sogenannten Bestie des GĂ©vaudan tatsĂ€chlich um einen oder mehrere Wölfe, um Hybriden zwischen Wölfen und großen HĂŒtehundencite-ref-nina-238-1[238] oder um einen aus der Gefangenschaft entkommenen subadulten Löwen handelte.cite-ref-240[240]

bram

Am 30. Juli 2025 erfolgte in den Niederlanden durch einen bereits seit lĂ€ngerem durch VorfĂ€lle bekannten Wolf nahe der Pyramide von Austerlitz eine Attacke auf einen SechsjĂ€hrigen. Dabei versuchte der Wolf, das Kind in einen Wald zu schleifen. Der Wolf konnte vertrieben werden, das Kind kam mit Bisswunden in eine Klinik. FĂŒr den Wolf, der „Bram“ genannt wird, lag zum Zeitpunkt der Attacke seit Wochen eine Abschussgenehmigung vor, ein Einspruch dagegen war einige Tage vor dem Vorfall von einem Richter abgewiesen worden.cite-ref-241[241]

Wirtschaftliche Nutzung

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Hauptartikel

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Wolfsfell

Pelze aus Wolfsfell sind vielseitig nutzbar. Ihre Bedeutung in Europa hat mit dem RĂŒckgang der Wolfspopulationen abgenommen. Wolfsfelle wurden fĂŒr Bekleidungszwecke und in den Wohn- und SchlafstĂ€tten verwendet; sie galten als desto wertvoller, je weißer sie waren. Die Wolfshaut wurde auch zu Leder gegerbt und zu Handschuhen, Pauken- und Trommelfellen verarbeitet. Die Wolfsleber hatte Eingang in die Pharmazie gefunden.cite-ref-242[242]

Der Wolf in der Kultur

Der Wolf spielt als Motiv in den Mythologien, Sagen und MĂ€rchen sowie in der Literatur und Kunst zahlreicher Völker eine zentrale Rolle. Dabei spiegelt sich die ambivalente Einstellung des Menschen gegenĂŒber dem Wolf wider. Einerseits verehrt er ihn als starkes und ĂŒberlegenes Tier, zum anderen projiziert er auf das Raubtier vielfĂ€ltige Ängste.

Mythologische Bedeutung

Totem-Kultur

In etlichen Kulturen erscheint der Wolf als Totem, etwa bei dem Indianerstamm der Tlingit, bei den Irokesen, bei Turkmenen und den Mongolen. Die Usbeken und die Hunnen leiteten ihre Herkunft vom Wolf ab, ebenso galt die Wölfin als Urmutter der alten TĂŒrken. Der nordamerikanische Indianerstamm der Schoschonen glaubte, Kojoten und Wölfe hĂ€tten die Welt geschaffen und die Toten ihres Stammes wĂŒrden in deren Reich einkehren. Die Seelen der Toten wĂŒrden zuvor von Kojoten in einem Fluss gewaschen und könnten erst dann die ewigen JagdgrĂŒnde betreten.cite-ref-243[243]

Bibel

In der Bibel wird der Wolf mehrfach als ein herdenreißendes, gefĂ€hrliches Tier dargestellt, so etwa in (Gen 49,27 ); (Jer 5,6 ); (Joh 10,12 ). Wenn „der Wolf beim Lamme“ liegt, so bedeutet dies dementsprechend die Verbindung von Ungleichem und wird daher von Jesus Sirach als Gleichnis fĂŒr den Umgang zwischen SĂŒndern und Gerechten gebraucht (Sir 13,17 ). Jesaja indes verwendet das utopische Bild als Metapher fĂŒr den Anbruch des Reiches Gottes (Jes 65,25 ). Im deutschen Sprachgebrauch gibt es die der Bibel entlehnte Redewendung vom Wolf im Schafspelz.

Griechische Mythologie

Die griechische Göttin Hekate, die mit dunkler Hexerei und Zauberei in Verbindung stand, wurde in der bildenden Kunst hÀufig in der Begleitung von drei Wölfen dargestellt. Der griechische König Lykaon wurde von Zeus in einen Wolf verwandelt.

Die sÀugende Wölfin

Die legendĂ€ren GrĂŒnder der Stadt Rom, Romulus und Remus, sollen von einer Wölfin gesĂ€ugt und aufgezogen worden sein. Vergleichbare Überlieferungen gibt es aus dem indischen Raum; auch die slowakischen Recken Waligor und Wyrwidub sowie der GrĂŒnder des altpersischen Reiches, Kyros II., sollen von Wölfen aufgezogen worden sein. Auch das moderne Motiv der Wolfskinder hat hier seine UrsprĂŒnge.

Germanische Mythologie

In der germanischen bzw. nordischen Mythologie werden dem Siegesgott Odin neben zwei Raben auch die Wölfe Geri und Freki beigesellt, die als streitlustige und tapfere Tiere den Kampf verfolgen und sich auf die Leichen der Gefallenen stĂŒrzen. Sonne und Mond werden von den WolfsbrĂŒdern Skoll bzw. Hati gejagt.cite-ref-244[244] Beide haben noch einen weiteren Bruder namens Managarm, der sich vom Fleisch der Toten ernĂ€hrt. Der Fenriswolf spielt beim Weltuntergang Ragnarök eine entscheidende Rolle. Er verschlingt zu Beginn der GötterdĂ€mmerung zunĂ€chst den Mond, spĂ€ter Odin. Der Wolf Ysengrin des Mythos hat viele Wesensmerkmale des verschlagenen Fuchses. Germanischen Ursprungs ist auch die Figur des Werwolfs, der ungeachtet seines Lebens in der bĂŒrgerlichen Gesellschaft zeitweilig Wolfsgestalt annimmt. Ein KorndĂ€mon und Kinderschreck der deutschen Sage, der auch in Frankreich, Polen, Lettland und Estland Entsprechungen hat, ist der Roggenwolf.cite-ref-245[245]cite-ref-246[246]

Mythologien sonstiger Kulturen

Aufgrund der Überlieferung der Asena-Legende rangiert der Wolf in der TĂŒrkei als Nationalallegorie. Manche nordamerikanischen Ureinwohner kennen mit Waheela eine Art Geist in der Gestalt eines riesigen Wolfes. Den Chinesen galt der Wolf als Symbol fĂŒr Grausamkeit, GefrĂ€ĂŸigkeit und Gier.

In der japanischen Mythologie und Folklore wurden Wölfe meist positiv gesehen. In Schreinen wurden sie als Boten der Götter angebetet, die Bauern vor SchĂ€dlingen und Haushalte vor Feuer und Diebstahl schĂŒtzten. Eine Ursache fĂŒr dieses positive Ansehen war möglicherweise, dass Japan stĂ€rker als Europa durch den Anbau von Reis und anderen Pflanzen anstatt durch Viehzucht landwirtschaftlich geprĂ€gt war, sodass eher Konflikte mit Pflanzenfressern wie Wildschweinen, die FeldfrĂŒchte schĂ€digten, als mit Raubtieren wie Wölfen auftraten. WĂ€hrend Wölfe in Europa mit dem Teufel assoziiert wurden, wurde Knochenmehl aus WolfsschĂ€deln in Japan sogar zur Austreibung böser Geister verwendet.cite-ref-247[247] Im Volksglauben wurde er aber auch als „heimtĂŒckisch“ angesehen, wie beispielsweise das fiktive Wesen Senbiki-ƍkami (ćƒç–‹ç‹Œ; „Tausendwolf“) aufzeigt und letztlich wurde der Wolf in Japan ausgerottet.cite-ref-248[248]

Der Wolf in der Literatur

In Fabeln antiker Autoren wie Äsop und PhĂ€drus, deren Stoffe spĂ€ter insbesondere Jean de Lafontaine und Gotthold Ephraim Lessing aufgriffen, werden negative menschliche Charaktereigenschaften wie Habgier, Streitlust, HeimtĂŒcke und Verschlagenheit auf den Wolf projiziert. In Das Lamm und der Wolf etwa sucht der Wolf mit aller Macht einen Vorwand, um das mit ihm am Fluss trinkende Lamm zu zerreißen. In Löwe, Wolf und Fuchs fĂ€llt eine vom Wolf angezettelte Intrige auf ihn zurĂŒck. In Der Wolf und der Kranich betrĂŒgt er einen hilfsbereiten Vogel um seinen Lohn. In Der Wolf und der Hund steht er als Vertreter des gefĂ€hrdeten, aber freien Lebens im Gegensatz zum unter dem Joch lebenden Haushund. Bekannt ist auch Der Hirtenjunge und der Wolf, eine Fabel ĂŒber einen Hirtenjungen, der so oft um Hilfe wegen angeblicher Wölfe rief, bis ihm niemand half, als eines Tages wirklich ein Wolf seine Herde riss.

Im lateinischen Mittelalter ist der Wolf als Ysengrimus, eingedeutscht Isegrim, Fabelwesen des Tierepos Reineke Fuchs, fĂŒr das sich spĂ€ter die BrĂŒder Grimm interessierten. In mehreren ihrer TiermĂ€rchen kommt den Wolf seine Gier teuer zu stehen: Der Wolf und der Mensch, Der Wolf und der Fuchs, Der Fuchs und die Frau Gevatterin. Er wird Opfer des schlauen Fuchses oder menschlicher Überlegenheit, so auch in Der wunderliche Spielmann und Daumesdick. In Die zwei BrĂŒder ist er einem Hund gleich GefĂ€hrte des Menschen, in Der alte Sultan ist der Wolf sogar schlauer. Allgemein kennt man ihn in MĂ€rchen als meist bösartige Figur. In RotkĂ€ppchen etwa erschleicht er sich das Vertrauen eines kleinen MĂ€dchens, frisst dann dessen Großmutter und am Ende auch RotkĂ€ppchen. In Der Wolf und die sieben jungen Geißlein verschafft er sich mit durch Kreide verfĂ€lschter Stimme Zutritt zum Haus einer Ziegenfamilie und verschlingt alle deren Kinder bis auf eines. Doch werden die Opfer gerettet und der Wolf wird getötet. Aus dem angelsĂ€chsischen Bereich schließlich stammt das MĂ€rchen vom Wolf und den drei Schweinchen.

In der modernen Weltliteratur finden sich Wolfsmotive in Rudyard Kiplings Das Dschungelbuch und bei Jack London (Ruf der Wildnis, White Fang). Die Beschreibung einer Wolfsjagd in Russland findet sich in Krieg und Frieden. Tschingis Aitmatow greift in der ErzĂ€hlung Die TrĂ€ume der Wölfin den Konflikt Mensch-Natur in der Kirgisischen Steppe auf. Eine wesentliche Rolle spielt der Wolf auch in ErzĂ€hlungen ĂŒber Vampire, die sich, wie etwa Dracula, in Wölfe verwandeln können, um ihrer Opfer habhaft zu werden. Auch Hermann Hesse vergleicht in seiner ErzĂ€hlung Der Wolf den Überlebenskampf eines Wolfsrudels im harten Winter mit den Menschen. Sein Roman Steppenwolf schließlich benutzt das Wolfmotiv als Metapher fĂŒr die animalische, die triebgesteuerte Seite des einsamen und menschenscheuen Protagonisten Harry Haller. KĂ€the Recheis Fantasy-Roman Der weiße Wolf betont mythologische ZĂŒge. In Alison Croggons Fantasy-Roman Das RĂ€tsel helfen die freien, wilden Tiere dem Schamanen. Ein weiterer moderner Roman ist Isegrim von Antje Babendererde (2013).

Wanders Deutsches Sprichwörter-Lexikon (Band 5) bietet zum Thema Wolf (inklusive Wortzusammensetzungen) etwa 700 Sprichwörter.

Comic und Zeichentrickfilm

Auch in Comics und Zeichentrickfilmen tauchen vielfach Wölfe auf. In der sowjetischen Zeichentrickserie Hase und Wolf spielen ein böser, tollpatschiger Wolf sowie ein guter Hase mit. In Walt Disneys Zeichentrickfilm Die drei kleinen Schweinchen will ein schlaksiger, schwarzfelliger Wolf mit bunter Latzhose und Schlapphut die HĂ€uschen der drei Schweinchen umblasen. Bei jenen aus Stroh und Holz gelingt ihm dies, nicht so indes bei dem aus Stein. Verkleidet wie in RotkĂ€ppchen nĂ€hert er sich den Schweinchen im Aufzug einer alten Frau. Der Kurzfilm beinhaltete auch den von Frank Churchill geschriebenen berĂŒhmt gewordenen Song Who’s Afraid of the Big Bad Wolf. Im Disney-Comic Lil’ Bad Wolf versucht ein böser Wolf namens Zeke (deutsch: Ede) erfolglos seinen Jungen nach seinem Bilde zu formen: Stattdessen schließt der Kleine enge Freundschaft mit den kleinen Schweinchen. Ein weiterer schurkenhafter Wolf tritt im Disney-Film The big bad wolf auf. Er hat auch ein Gastspiel im Micky-Maus-Cartoon Mickey’s Polo Team von 1936, in dem Disney-Figuren gegen Zeichentrick-Versionen berĂŒhmter Schauspieler dieser Zeit Polo spielten. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang auch die Wolfs-Figuren Lupo, Lupinchen und Eusebia aus Rolf Kaukas Serie Fix und Foxi von 1953.

Auch in der auf Runer Jonssons BĂŒchern beruhenden Zeichentrickserie Wickie und die starken MĂ€nner von 1974 kommen hĂ€ufig Wölfe vor, ausgehungerte Tiere von grotesk-zottiger Magerkeit, die den Ă€ngstlichen Wikingerjungen Wickie jagen. In Hayao Miyazakis Anime Prinzessin Mononoke von 1997 lebt die Protagonistin mit Wölfen zusammen, die je nach Perspektive der Figuren eine positive oder eine negative Rolle spielen. Des Weiteren stellen Wölfe einen Großteil der Protagonisten in der Anime-Serie Wolf’s Rain des Animationsstudios Bones von 2003. Dort sollen die Wölfe die Wegbereiter in das Paradies sein, gelten aber als ausgestorben. Dabei können sie eine menschliche Form vorgaukeln und unerkannt unter Menschen leben. Das Motiv des Wolfskinds erscheint in Rudyard Kiplings ErzĂ€hlung Das Dschungelbuch, die 1942 zuerst als Spielfilm „Das Dschungelbuch“ verfilmt und dann 1967 von Walt Disney fĂŒr seinen Zeichentrickfilm „Das Dschungelbuch“ aufgegriffen wurde. Es folgten weitere Verfilmungen und Animationsfilme auf dieser Basis.

Literatur

Moderne Abhandlungen und Monographien

‱ Claudio Sillero-Zubiri: Family Canidae (Dogs). In: Don E. Wilson, Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Band 1: Carnivores. Lynx Edicions, Barcelona 2009, ISBN 978-84-96553-49-1, S. 352–446.
‱ Dmitrij Iwanowitsch Bibikow: Der Wolf. Canis lupus (= Die Neue Brehm-BĂŒcherei. Bd. 587). 3. Auflage, unverĂ€nderter Nachdruck der 2. Auflage 1990. Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben 2003, ISBN 3-89432-380-9.
‱ L. David Mech, Luigi Boitani (Hrsg.): Wolves. Behaviour, Ecology, and Conservation. The University of Chicago Press, Chicago IL u. a. 2003, ISBN 0-226-51696-2.
‱ Henryk Okarma: Der Wolf. Ökologie, Verhalten, Schutz. Parey, Berlin 1997, ISBN 3-8263-8431-8.
‱ Ilka Reinhardt, Gesa Kluth: Leben mit Wölfen. Leitfaden fĂŒr den Umgang mit einer konflikttrĂ€chtigen Tierart in Deutschland (= BfN-Skripten. 201, ZDB-ID 1476341-2). Bundesamt fĂŒr Naturschutz (BfN), Bonn 2007 (PDF; 3,3 MB).
‱ Kurt Kotrschal: Wolf – Hund – Mensch. Die Geschichte einer Jahrtausende alten Beziehung, BrandstĂ€tter Verlag, 2012, ISBN 978-3-85033-675-8 (Wissenschaftsbuch des Jahres 2013 in der Kategorie Medizin/Biologie)
‱ Erik Zimen: Der Wolf. Verhalten, Ökologie und Mythos. Das VermĂ€chtnis des bekannten Wolfsforschers. Neuauflage. Kosmos, Stuttgart 2003, ISBN 3-440-09742-0.
‱ Shaun Ellis, Monty Sloan (Fotos): Der Wolf – wild und faszinierend. Parragon Books Ltd., 2012, ISBN 978-1-4454-8426-6.
‱ Ausschuss fĂŒr Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: Bericht des Bundesministeriums fĂŒr Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit zur Lebensweise, zum Status und zum Management des Wolfes (Canis lupus) in Deutschland. zum FachgesprĂ€ch am 4. November 2015. Hrsg.: Deutscher Bundestag. Ausschussdrucksache 18(16)313. Berlin 28. Oktober 2015 (Digitalisat [PDF]).
‱ Will N. Graves, Valerius Geist (Hrsg.): Wolves in Russia – Anxiety Through the Ages. Detselig Enterprise Ltd. Calgary 2007, ISBN 978-1-55059-332-7.
‱ Heiko Anders: Das Leben unserer Wölfe. Beobachtungen aus heimischen Wolfsrevieren. Hrsg.: NABU e. V., Haupt Verlag, Bern 2019, ISBN 978-3-258-08108-3.

Zum Umgang mit Wölfen

‱ KontaktbĂŒro Wolfsregion Lausitz, Internationaler Tierschutz-Fonds (Hrsg.): Wölfe vor unserer HaustĂŒr. Im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Polen. 2014 (PDF; 47 kB).
‱ KontaktbĂŒro Wolfsregion Lausitz, Internationaler Tierschutz-Fonds (Hrsg.): Wenn Sie einem Wolf begegnen. 2014 (PDF; 1 MB).
‱ Stefan Willeke: Die Wölfe kommen. In: Die Zeit. 1. April 2015, S. 11–13.
‱ Eckhard Fuhr: RĂŒckkehr der Wölfe. Wie ein Heimkehrer unser Leben verĂ€ndert. Riemann Verlag, MĂŒnchen 2014, ISBN 978-3-570-50171-9.
‱ Dirk WĂŒstenberg: Maßnahmen gegen Wölfe nach der brandenburgischen Wolfsverordnung. In: Landes- und Kommunalverwaltung – Verwaltungsrechts-Zeitschrift fĂŒr die LĂ€nder Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, ThĂŒringen (LKV) 2018, S. 106–112.

Digitalisiertes Àlteres Schrifttum

‱ Theodor Schmidt: Zur naturgeschichtlichen Statistik der in Pommern ausgerotteten SĂ€ugethiere. In: Jubelschrift zur vierhundertjĂ€hrigen Stiftungsfeier der UniversitĂ€t Greifswald, Stettin 1856, insbesondere S. 27–100: Der Wolf (Google Books).
‱ Theodor Schmidt: Der Wolf. In: Baltische Studien. Band 24, Stettin 1872, S. 65–154. (Google Books).
‱ Julius von Bohlen-Bohlendorf: Nachrichten ĂŒber das Vorkommen und die Verbreitung des Luchses (F. lynx.) und des Wolfes (C. lupus.) im ehemaligen Schwedischen Antheil von Pommern im 17. und 18. Jahrhundert. In: Mittheilungen aus dem naturwissenschaftlichen Vereine von Neu-Vorpommern und RĂŒgen. FĂŒnfter und Sechster Jahrgang, Berlin 1873 u. 74, S. 1–20 (Google Books).
‱ Georg Wolfram: Zur Geschichte der Wolfsplage in Lothringen. In: Jahr-Buch der Gesellschaft fĂŒr lothringische Geschichte und Altertumskunde. Vierter Jahrgang (Erste HĂ€lfte), G. Scriba, Metz 1892, S. 165–176 (Google Books).

Weblinks

Commons

: Wolf (

Canis lupus

)

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wiktionary: Wolf

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wikiquote: Wolf

– Zitate

Wikinews: Wolf

– in den Nachrichten

‱ Literatur von und ĂŒber Wolf im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
‱ Canis lupus in der Roten Liste gefĂ€hrdeter Arten der IUCN 2014.1. Eingestellt von: L. D. Mech, L. Boitani, 2008. Abgerufen am 15. Juni 2014.
‱ Wolf in der Schweiz bei KORA, Raubtierökologie und Wildtiermanagement
‱ Wolf – Verbreitung Österreich beim Österreichzentrums BĂ€r, Wolf, Luchs
‱ „Willkommen Wolf“ – Ein Projekt des Naturschutzbundes Deutschland (NABU)
‱ PortrĂ€t des Wolfs (Memento vom 19. November 2013 im Internet Archive) auf der Website der Wolfsregion Lausitz (mehr Informationen siehe Navigation dort; unter „Verbreitung“ findet sich auch eine entsprechende Karte)
‱ Wolf im Schweizerischen Idiotikon. Bd. XV, Sp. 1544 ff. (mit umfassendem kulturgeschichtlichem Beitrag)
‱ „Wölfe“ auf der Website des Landtags von Sachsen-Anhalt
‱ Dokumentations- und Beratungsstelle der Bundesrepublik Deutschland zum Thema Wolf (DBBW)
‱ Spektrum.de: Können Wölfe und Schafe nebeneinander leben? 15. Januar 2019
‱ Wolf (Canis lupus) - Wildtier des Jahres 2003. Ministerium fĂŒr Klimaschutz, Umwelt, Energie und MobilitĂ€t. Landesforsten Rheinland-Pfalz, Zentralstelle der Forstverwaltung, 4.5 Kommunikation und Marketing (KOMMA), 7. Oktober 2023.

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ L. David Mech: Canis lupus. Mammalian Species 37, 1974, S. 1-6. doi:10.2307/3503924
cite-note-22. ↑ L. David Mech: Sozialstruktur und Verhalten im Rudel. In: Website https://chwolf.org/. Verein CHWOLF, 2008, abgerufen am 7. Oktober 2023.
cite-note-33. ↑ WOLFCENTER GbR: Über Wölfe. In: Website https://wolfcenter.de/. WOLFCENTER GbR, abgerufen am 7. Oktober 2023.
cite-note-44. ↑ Geschichte Wolf und Mensch. In: Wolf in Sachsen. Freistaat Sachsen, abgerufen am 25. Dezember 2025.
cite-note-55. ↑ Nicolas Schoof, Albert Reif, Rainer Luick, Eckhard Jedicke, Gerd KĂ€mmer, JĂŒrgen Metzner: Der Wolf in Deutschland – Herausforderungen fĂŒr weidebasierte Tierhaltungen und den praktischen Naturschutz. In: Naturschutz und Landschaftsplanung. Band 53, Nr. 1. Ulmer, 2021, ISSN 0940-6808, S. 10–19, doi:10.1399/NuL.2021.01.01 (researchgate.net).
cite-note-sillero-zubiri-s125-66. ↑ Claudio Sillero-Zubiri, Michael Hoffmann, David W. Macdonald: Canids: Foxes, Wolves, Jackals and Dogs. Status Survey and Conservation Action Plan. UCN/SSC Canid Specialist Group. 2004, S. 125 ff. (carnivoreconservation.org [PDF; 9,5 MB; abgerufen am 14. August 2018]).
cite-note-77. ↑ D. P. J. Kuijper; E. SahlĂ©n; B. Elmhagen; S. ChamaillĂ©-Jammes; H. Sand; K. Lone; J. P. G. M. Cromsigt: Paws without claws? Ecological effects of large carnivores in anthropogenic landscapes. In: Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences. Band 283, Nr. 1841, 2016, doi:10.1098/rspb.2016.1625 (englisch, royalsocietypublishing.org).
cite-note-frei-88. ↑ Entwicklung der Wolfsrudel in Deutschland. In: dbb-wolf.de. Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW), abgerufen am 25. Dezember 2025.
cite-note-ntv-wolf-ausbreitung-99. ↑ Wölfe in Deutschland: Von der streng geschĂŒtzten zur bejagten Art? In: n-tv.de. Abgerufen am 25. Dezember 2025.
cite-note-1010. ↑ Hans K. Stenþien, Xin Sun, Michel D. Martin, Camilla H. Scharff-Olsen, Germán Hernández Alonso, Nuno Filipe Gomes Martins, Liam Lanigan, Marta Maria Ciucani, Mikkel-Holger S. Sinding, Shyam Gopalakrishnan und M. Thomas P. Gilbert: Genetisk opphav til den norsk-svenske ulvestammen (Canis lupus lupus), NTNU Vitenskapsmuseet naturhistorisk rapport 2021-11: 1-53, Online-Version, abgerufen am 17. April 2022. S. 4, 32.
cite-note-1111. ↑ H. Okarma: Der Wolf. 1997, S. 11 ff.
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cite-note-1313. ↑ Peter LĂŒps: Canis lupus. In: SĂ€ugetiere der Schweiz / MammifĂšres de la Suisse / Mammiferi della Svizzera. Denkschriften der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften / MĂ©moires de l’Academie Suisse des Sciences Naturelles / Memorie dell’Accademia Svizzera di Scienze Naturali. BirkhĂ€user, Basel. Bd. 103, 1995. doi:10.1007/978-3-0348-7753-4_78.
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cite-note-1616. ↑ Henryk Okarma: Der Wolf. 1997, S. 11–12 und dort zitierte Literatur.
cite-note-1717. ↑ Peter Aldhous: Handsome wolves stole dogs’ black coat. In: New Scientist. Bd. 199, Nr. 2675, 2008, S. 12, doi:10.1016/S0262-4079(08)62402-1.
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cite-note-2323. ↑ Wolf oder Hund? In: Wolf in Sachsen. Freistaat Sachsen, abgerufen am 25. Dezember 2025.
cite-note-hund-2008-2424. ↑ Dorit Urd Feddersen-Petersen: Ausdrucksverhalten beim Hund. Mimik und Körpersprache, Kommunikation und VerstĂ€ndigung. Kosmos, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-440-09863-9.
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